Wolfsburg/Emden - Im Abgas-Skandal hat VW einen ersten Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software (Motoren EA 189/EU-5) vorgestellt. Der Autobauer will demnach weltweit fünf Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen in die Werkstätten zurückrufen.
Betroffene Kunden sollen demnächst per Post informiert werden – sofern ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von „Servicemaßnahmen“. Weitere Details nannte der Konzern noch nicht.
Volkswagen hatte bereits zuvor mitgeteilt, dass von der Konzern-Kernmarke Volkswagen Pkw fünf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ebenfalls bereits bekannt ist, dass es insgesamt um elf Millionen Fahrzeuge geht, davon 2,8 Millionen in Deutschland.
Zu den fünf Millionen Volkswagen mit nun geplanter „Servicemaßnahme“ gehören einer Mitteilung zufolge Fahrzeuge bestimmter Baujahre vom Golf der 6. Generation und des Passat der 7. Generation mit dem betroffenen Diesel. Eine Nachfrage dieser Zeitung bei VW ergab, dass die Passats auch in Emden gebaut worden sein dürften. Ein Sprecher in Wolfsburg betonte, zurzeit werde bereits die achte Generation gebaut (EU-6). Hier seien „alle sauber“.
Unterdessen erwartet nach Wolfsburg und Braunschweig, die in dieser Woche eine sofortige Haushaltssperre verkündet hatten, auch die Stadt Emden im Gefolge der VW-Krise Einbrüche bei den Steuereinnahmen. „Das wird uns schwer treffen“, zitierte die „Emder Zeitung“ den Kämmerer Horst Jahnke.
Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns wollen den zuständigen Behörden im Oktober die technischen Lösungen vorstellen. Der Autokonzern hatte mit einer Software Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA manipuliert.
Die Frage ist: Wer wusste – ab wann – davon? Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatten nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware bei Abgastests. Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, teilten sie am Dienstagabend mit.
Der NDR berichtete unter Berufung auf Recherchen des Senders sowie WDR und der Süddeutschen Zeitung, der VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer sei „offenbar bereits 2011 über die manipulierten Abgas-Werte informiert worden“.
Die IG Metall wehrt sich gegen drohende Folgen für die Belegschaft. Die Affäre bedeute einen „unendlichen Schaden“ für das Produkt, den Konzern und den Standort Deutschland, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel. Arbeitnehmer seien dafür nicht verantwortlich.
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat davor gewarnt, infolge des VW-Abgas-Skandals Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen.
