Wolfsburg - Beim Geld hört die Freundschaft auf – besonders in Krisenzeiten. Mitten in der Abgas-Affäre vergiftet ein Streit um Millionen-Boni für die Vorstände die Stimmung bei VW zusätzlich. Und eine Lösung ist nicht in Sicht. Das Präsidium des Aufsichtsrates konnte sich am Montag nicht auf eine Regelung über die Vergütungen verständigen.

Auf einer anderen Baustelle konnte VW aber Fortschritte melden: Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller macht den vom Betriebsrat geforderten „Zukunftspakt“ zur Chefsache. Dabei sollten etwa für die deutschen VW-Werke „verbindliche Standortsicherungspakete abgeschlossen werden“, teilte VW mit. Insider sehen darin einen Rückschlag für VW-Markenvorstand Herbert Diess.

Die Arbeitnehmervertreter hoffen auf vertragliche Zusagen zu Produkten, Stückzahlen, Standorten und Budgets. Zuletzt hatte der Betriebsrat Diess kritisiert und ihm vorgeworfen, den Diesel-Skandal für harte Einschnitte zu nutzen. Einen genauen Zeitplan für die Verhandlungen teilte VW nicht mit.

Noch größer ist der Druck im Moment aber im Boni-Streit. Am 28. April muss der Autobauer seine Bilanz für 2015 vorstellen. Darin werden auch die Vorstandsgehälter öffentlich. Beschlossen werden die Bezüge vom 20-köpfigen Aufsichtsrat, in der Regel entsprechend einem Präsidiumsbeschluss. Doch dieser konnte zumindest am Montag nicht getroffen werden.

„Die Vorstandsboni sind Gegenstand laufender Diskussionen in den VW-Gremien, deren Ergebnis kann und möchte ich nicht vorweggreifen“, sagte VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Grund für die ergebnislose Sitzung dürften auch die kontroversen Meinungen der Kontrolleure sein. Nach dpa-Informationen befürworten Betriebsrat, Land Niedersachsen und IG Metall wegen des Abgas-Skandals eine spürbare Senkung der millionenschweren Sonderzahlungen.