Hannover - Auch Europas größter Autobauer Volkswagen rutscht immer stärker in den Strudel der Absatzschwäche auf dem Heimatkontinent. „Die nächsten Monate werden alles andere als leicht“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Hannover. Die Flaute auf dem heimischen Markt könnte schon bald auch Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Das Unternehmen brauche in den kommenden Monaten „viel Flexibilität in der Produktion und auf den weltweiten Märkten“, sagte Winterkorn und nutzte damit – anders als bisher im Jahr – erstmals Krisenvokabular.
Zwar war der weltweite Absatz der Wolfsburger im ersten Quartal noch um knapp fünf Prozent gestiegen. In Europa musste aber auch VW kräftig Federn lassen, und das erste Quartal lief – wie berichtet – auf der Ergebnisseite deutlich schlechter als ein Jahr zuvor.
Andere Hersteller leiden schon massiv unter teuren Überkapazitäten in Europa – Ford, Opel oder Peugeot-Citroën planen sogar bereits, einzelne Werke dichtzumachen.
Davon ist VW weit entfernt, doch erste Dämpfer sind auch dort sichtbar. So hatte VW zuletzt zum Beispiel in seinem Werk in Emden die Passat-Produktion etwas gedrosselt.
Winterkorn sagte zum Ausblick: „Insbesondere Europa bleibt ein Wackelkandidat.“ Seit eineinhalb Jahren sind die Neuzulassungen in der EU auf Talfahrt, 2012 war schwächstes Jahr seit 20 Jahren.
Und die Flaute in Europa dürfte den Wolfsburgern auch künftig auf die Profite drücken. „Der Wettbewerbsdruck ist unverändert hoch und steigt weiter“, sagte Winterkorn. Auf dem europäischen Automarkt herrscht derzeit eine Rabattschlacht.
Weiteres Wachstum bei den Neuzulassungen in China ist für Winterkorn indes auf Jahre eine ausgemachte Sache. „Der Gesamtmarkt wird sicher bis 2020 auf über 20 Millionen wachsen.“ VW wolle dabei seine Position als chinesischer Marktführer verteidigen. „Wir wollen einen Marktanteil von 20 Prozent – mindestens.“
2012 hatte VW in seinem größten Einzelmarkt China 2,8 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ausgeliefert. Das bedeutet 20,8 Prozent Markteinteil. Laut Winterkorn soll VW im Jahr 2020 mindestens 4 Millionen Fahrzeuge in China absetzen. Dort stampft VW sieben seiner derzeit zehn weltweit geplanten Werke aus dem Boden. Bedenken vor zu großer Abhängigkeit wies Winterkorn zurück.
Trotz des Kostendrucks bekräftigte Winterkorn, die alternativen Antriebe im Konzern weiter voranzutreiben. „Die Elektromobilität ist nicht tot – sie wird vielleicht erst jetzt richtig geboren.“ Das Ziel, dass die Konzernflotte bis 2020 im Schnitt pro Fahrzeug nur noch 95 Gramm CO
Nachdem der Konzern am Mittwoch Quartalszahlen bekanntgegeben hatte, gab es an der Börse am Donnerstag keine Überraschungen. Wie erwartet, fließen 3,50 (Vorjahr: 3,0) Euro je Stammaktie und 3,56 (3,06) Euro je Vorzugsaktie als Dividende.
Die Aufsichtsräte von Volkswagen und MAN gaben grünes Licht für einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag. Das sagte VW-Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch auf der Hauptversammlung. VW hält mehr als 75 Prozent von MAN.
