Friesoythe - Der Mann nennt sich Knut und er ist schwer betrunken. Seine Sprache ist schleppend und beim Gehen schwankt er. Ins Forum nach Friesoythe ist er gekommen, weil er die Geschichte eines Alkoholkranken erzählen will – es ist seine eigene. „Flasche leer“ heißt dieses eindrucksvolle Theaterstück, bei dem es im Zuschauerraum mucksmäuschenstill ist und die Gäste am Anfang leicht verunsichert wirken, weil sie erst nicht wissen, wie sie auf den lauten und polternden Schauspieler reagieren sollen.
Szenenwechsel. Gelbe und rote Bauklötze liegen auf einer Waage. Nimmt man nur einen Stein auf der einen Seite weg, ist das Gleichgewicht bereits empfindlich gestört und die Waage setzt sich in Bewegung. Sind es mehrere Steine, geht es rapide nach unten. „Rot steht für die Ausgaben, gelb für die Einnahmen“, erklärt Erna Schulte-Weßels, Mitarbeiterin beim Caritas-Sozialwerk Friesoythe. Was wie ein Kinderspiel anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Bei einigen Familien im Nordkreis ist das finanzielle Gleichgewicht längst aus dem Lot geraten. Wenn die Ausgaben regelmäßig höher sind als das monatliche Einkommen, ist das meist der Zeitpunkt, wo eine Schuldnerberatung – wie sie etwa Caritas-Sozialwerk oder Arbeiterwohlfahrt (AWo) anbieten – aufgesucht wird.
Wie sich vorbeugen lässt, damit dieser Fall erst gar nicht eintritt, wird als präventive Maßnahme bezeichnet. „Prävention“, so hat es Gerd Binder, Vorsitzender des Präventionsrats Friesoythe, am Sonntagvormittag anlässlich der Eröffnung des ersten Friesoyther Präventionstags im Forum erklärt, „bedeutet Vorbeugung und Verhütung“, und sei die „vorausschauende Vermeidung von Problemen.“
In der Stadtgemeinde Friesoythe gibt es ein gut geknüpftes soziales Netzwerk von Ämtern, Vereinen, Institutionen und Initiativen, die präventiv tätig sind. Ein Teil von ihnen ist am Sonntag im Forum vertreten. Mit Informationsbroschüren, Ansprechpartnern und Mitmachaktionen wollen sie Aufklärungsarbeit leisten. Fachvorträge von der Polizei zum Thema „Gefahren im Internet“ oder von „Pro Kind“ über die Verbesserung von Entwicklungschancen von Kindern ergänzen das Programm.
Auch Knut ist deswegen nach Friesoythe ist gekommen. Verkörpert wird er von Schauspieler David Aschinger. In dem Stück geht es um den Alltag eines Süchtigen mit all seinen Lebenslügen und Verdrängungsmechanismen.
„Wenn nach diesem Tag mehr Menschen den Begriff „Prävention“ und die Arbeit des Präventionsrates mit Inhalten verbinden können, bestätigt uns das, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Organisator Binder. Mit der Resonanz an der Infoveranstaltung ist er zufrieden. Mehrere Hundert Personen, schätzt er, seien bis zum Abend ins Forum gekommen. Ein Großteil gehört allerdings zu den ausstellenden Gruppen und Vereinen.
„Nein, Beratungsgespräche habe ich nicht geführt“, bestätigt Marianne von Garrel, die am Stand der AWo Kreisverband Cloppenburg, Fragen beantwortet. Das habe sie aber auch nicht erwartet. In erster Linie sei der Tag ein Versuch gewesen, die Netzwerkpartner enger miteinander zu verknüpfen, sagt Binder. Das Ziel wurde erreicht. Ob der Präventionstag zu einer festen Größe im Friesoyther Terminkalender werde, konnte er dagegen noch nicht sagen. „Das wird die Nachbesprechung ergeben.“
