Hude - Sonnenbrand und nasse Füße: Die Gerstenernte ist fast abgeschlossen, und die Landwirte in der Region machen sich bereits Sorgen um den Mais. Der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg, Bernhard Wolff, ist mit den Erträgen der Wintergerste im Durchschnitt zufrieden: „Insgesamt ist die Ernte hinsichtlich der Qualität und der Menge gut ausgefallen“.
Die heißen Temperaturen der vergangenen Woche kamen den Landwirten zugute. Vor acht bis zehn Tagen lag der Feuchtegehalt von Gerstenproben noch bei 18 Prozent, erklärt er. Die frisch geerntete Wintergerste dieser Woche hat jedoch einen deutlich besseren Feuchtegehalt von 13 bis 15 Prozent. Mit der Gerste ist es wie mit der Wäsche: Wärme und leichter Wind sind von Vorteil.
Der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes ist daher zuversichtlich: „Bei diesen guten Bedingungen können pro Hektar ungefähr 7,5 Tonnen geerntet werden.“ Wenn die Ernte allerdings nicht vor dem Regen reingeholt werde, führe dies zu Ausfällen. Doch nicht nur die Hitze der vorigen Wochen kam den Bauern zugute, auch ein langer Winter: „Der viele Schnee wirkte für die im Herbst gesäte Wintergerste wie eine Isolierung“, berichtet Renke Dählmann vom Landvolkverband Lintel.
Aber die Bauern der Region sind sich einig: Es wäre auch schön, wenn es mal wieder regnet. Besonders für die Maisernte Ende September und Anfang Oktober ist Nässe nun gern gesehen. So wie es momentan aussieht, fällt die Ernte der großen Kolben eher bescheiden aus, da viele Maisblätter jetzt schon wegen der Hitze schlapp herunterhängen.
Wenn sich das Wetter nun nicht drastisch zu Gunsten der Landwirte ändert, fällt die diesjährige Ernte eventuell 30 Prozent schlechter aus als im Vorjahr, befürchtet der Huder Landwirt Ingo Wachtendorf. Aber ein wenig Regen reicht nicht aus, um dem Hilfeschrei des Maises nachzukommen. Der Boden ist mittlerweile vollkommen ausgetrocknet, und falls es regnet, sackt die Feuchtigkeit durch den trockenen Boden hindurch, ohne dass die Wurzeln etwas aufnehmen können, so Wolff.
Des Weiteren hat der Mais vor knapp einem Monat ziemlich „nasse Füße“ bekommen. Im Juni sind in Hude und besonders Richtung Berne viele Flächen wortwörtlich „abgesoffen“, sagt Dählmann. Am besten eignet sich für den Mais ein tropisches Klima. Doch „das eine will man und das andere bekommt man“, fügt er aus Erfahrung hinzu.
Durch die voraussichtlich schlechte Maisernte müssten viele Bauern Mais von anderen Landwirten für ihren Betrieb hinzukaufen, sagt Helmut Braun aus Hurrel bereits voraus. Auch Landwirte, die über eine Biogasanlage verfügen, wissen nun schon, dass sie womöglich das gleiche Schicksal ereilen wird. Dies treibt den Maispreis stark in die Höhe und könnte zum Problem für Landwirte werden.
Aber im Winter ist der Erntestress des Sommers meist vergessen und auf vielen Höfen heißt es dann: „Is just nochmaal woller goot gohn“.
