Oldenburg/Frankfurt - Europas Finanzmärkte haben mit Kurssprüngen auf den Wahlausgang in Frankreich reagiert. Der deutsche Leitindex Dax erreichte am Montag sogar einen Rekordstand. Französische Staatsanleihen waren gefragt, auch der Euro legte deutlich zu, dagegen zogen sich Anleger aus dem „sicheren Hafen“ Gold zurück.

Der deutsche Leitindex Dax ließ seine rund zwei Jahre alte Bestmarke hinter sich und stieg um 3,37 Prozent auf 12 454,98 Punkte, was auch gleichzeitig der Schlusskurs war.

Vor allem die Aktien von Banken waren gefragt, denn sie gelten als besonders abhängig von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa. Auch die Papiere französischer Geldhäuser stiegen deutlich im Wert. Der französische Leitindex CAC 40 lag zuletzt gut vier Prozent im Plus. Zwischenzeitlich stand er so hoch wie seit elf Jahren nicht mehr. Der EuroStoxx 50, der Leitindex der gesamten Eurozone, legte um vier Prozent zu.

Doch kann der Dax den Schwung mitnehmen, oder entpuppt sich das Hoch nur als kurzzeitige Frankreich-Wahl-Euphorie?

„Ich halte die Entwicklung für keine kurzfristige Sache. Der Montag nach der Wahl kam wie ein Befreiungsschlag daher. Viele Anleger hatten sich mit Käufen zurückgehalten, um den Wahlausgang abzuwarten. Ich denke, dass diese Entwicklung mindestens noch einige Tage oder gar Wochen nachwirken wird“, sagt Carsten Brömstrup, Leiter Anlagestrategien bei der Oldenburgischen Landesbank, auf Nachfrage dieser Zeitung. Zudem weisen europäische Aktien einen gehörigen Bewertungsabschlag zu ihren US-Pendants auf. „Euro-Aktien haben also Aufholpotenzial, zumal die Gewinnschätzungen für 2017 entgegen dem normalen Trend zu Jahresanfang weiter anziehen. Auch die Dividenden in Europa sind ansprechend hoch“, sagt Brömstrup.


„Das neue Rekordhoch im Dax war nur eine Frage der Zeit und wurde natürlich durch die positive Einschätzung des Marktes zum Wahlverlauf in Frankreich befeuert. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass im Gegensatz zu Indizes wie dem Dow Jones oder S&P500 beim Dax die Dividenden mit Berücksichtigung finden“, sagt Heiko de Vries, Vorstand des Oldenburger Fondsmanagementhauses ­ Loys. „Der reine Kursindex zum Dax bewegt sich immer noch auf dem Niveau des Hochs aus dem Jahre 2000. Die aktuellen Bewertungen der Unternehmen liegen deutlich unterhalb derer von damals, allerdings erscheinen sie heute absolut gesehen auch nicht mehr ganz billig“, erklärt de Vries.

Ein konstruktiver Wahlausgang wirke stabilisierend für Europa, konstatierten die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs. „Mit Emmanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher.

Hinzu kommt ein weiterhin gutes Wirtschaftsumfeld. Profiteur der Entwicklung war auch der Euro: Die Gemeinschaftswährung kostete zwischenzeitlich wieder mehr als 1,09 US-Dollar, nachdem es zuvor nur etwa 1,07 Dollar waren. Deutsche Bundesanleihen, die als eine der sichersten Anlagen der Welt gelten, gerieten dagegen am Montagmorgen unter Druck.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft