Wangerooge - Am Donnerstag hat die Nationalpark-Verwaltung Wilhelmshaven im Heidegebiet Wangerooges eine besondere Artenschutzmaßnahme gestartet. In einem der Eisteiche – wertvolle Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten – hat sich Nadelkraut (Crassula helmsii) angesiedelt.

Zierpflanze für Aquarien und Teiche

Das Nadelkraut stammt ursprünglich aus Australien und Neuseeland. Von dort wurde es als Zierpflanze für Teiche und Aquarien weltweit exportiert und gelangte über diesen Weg vermutlich auch in die Naturräume der Ostfriesischen Inseln. Eine Verschleppung durch wildlebende Vögel ist eher unwahrscheinlich.

Wer – auch außerhalb des Nationalparks und anderer Schutzgebiete – zu Fuß, mit der Angel oder dem Boot an potenziellen Crassula-Standorten wie Gewässern und Feuchtgrünland unterwegs ist, sollte vorm Verlassen des Gebiets Schuhe (und Hundepfoten), Kleidung und Gerätschaften sorgfältig untersuchen und von Pflanzenresten säubern. Nur so kann eine weitere Ausbreitung eingedämmt werden.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Australien und Neuseeland – laut Nationalpark-Verwaltung breitet sie sich rasch aus und verdrängt heimische, häufig gefährdete Arten. „Es gilt, die Feuchtlebensräume auf Wangerooge vor der Ausbreitung des Nadelkrauts in diesem frühen Stadium schützen und das vorhandene Vorkommen auf Dauer zu beseitigen“, sagt Norbert Hecker, naturschutzfachlicher Inselbetreuer bei der Nationalparkverwaltung.

Mit dem Ausreißen des Nadelkrauts, das dichte Teppiche bildet, sei es nicht getan. Deshalb wird der große Eisteich jetzt verfüllt. Dabei kommt ein Bagger zum Einsatz. Der Teich soll dann zu einer Düne entwickelt werden. Im Gegenzug werden benachbarte Bombentrichter für typische Pionierarten von Kleingewässern wie Strandling oder Kreuzkröte entwickelt.

„Wenn ehrenamtliche Helfer im Schutzgebiet unterwegs sind oder ausnahmsweise mal ein Bagger zum Einsatz kommt, dann sollten Insulaner und Gäste auch wissen, welche Naturschutzziele wir damit verfolgen“, so Hecker.

Gebietsfremde Gehölze wie Traubenkirsche oder Apfelbeere lassen sich durch Ausreißen gut in Schach halten. Die Stängel und Ausläufer des Nadelkrauts lassen sich jedoch nicht vollständig sicher entfernen. „Wir werden gemeinsam über den weiteren Fortgang der Maßnahmen und deren Ergebnisse berichten“, kündigt Matthias Heckroth, Geschäftsführer des Mellumrats, an.

Die Maßnahme ist mit der Gemeinde Wangerooge, dem Landkreis Friesland (Untere Naturschutzbehörde) und dem Domänenamt abgestimmt. Von Vorteil jetzt im Spätsommer ist die Trockenheit, die die Ausbreitung des Nadelkrautes im betroffenen Eisteich bisher verhindert hat.


Und trocken muss es bei den Bauarbeiten sein, damit Bagger, Fahrzeuge, Arbeitsgeräte und Personen nicht mit dem Nadelkraut in Kontakt kommen. Ein kleiner verschleppter Abschnitt der Pflanze kann – an anderer Stelle eingebracht – großen Schaden anrichten.