WANGEROOGE/HAMBURG - WANGEROOGE/HAMBURG - Die Pläne der Hamburger Hafenverwaltung, Hafenschlamm bei Scharhörn in der Nordsee zu verklappen (die NWZ berichtete), haben auf Wangerooge Besorgnis ausgelöst.

Die Entsorgungsstelle liegt nur 28 Kilometer von der Insel entfernt. Weit genug, meint die Hamburg Port Authority. Zu nah, meint dagegen Wangerooges Bürgermeister Holger Kohls. Er befürchtet, dass Sedimentwolken, die bei der Verklappung entstehen, bis zur Insel treiben können.

Die Hamburger Hafenbehörde beruft sich nach Angaben ihres Mitarbeiters Georg Werner auf mehrere Untersuchungen und Gutachten. Aus Sicht des Landes Schleswig-Holstein, auf deren Seegebiet die Verklappungsstelle liegt, und der Bundesanstalt für Wasserbau sei der Verlagerungsplatz bei Scharhörn aus ökologischer, fischerei- und tourismuswirtschaftlicher Sicht der geeignetste.

Ab Oktober sollen Werner zufolge täglich zwischen 6500 und 10 000 Kubikmeter Hafenschlamm bei Scharhörn verklappt werden. Das Sediment stamme aus der Elbe. Dort müsse der sichere Tiefgang für den Schiffsverkehr erhalten werden. Insgesamt sollen 800 000 Kubikmeter Sediment in der Nordsee entsorgt werden.

Bei den Arbeiten kommt laut Werner ein Saugbagger zum Einsatz, der den Schlamm in Hamburg aufnimmt und direkt zur 30 Meter tiefen Entladestelle bringt. Dort werden die Klappen des Laderaums geöffnet und der Schlamm abgelassen. Die dabei entstehende Schwebstoffwolke bleibe aufgrund einer an der Entladestelle herrschenden Drehströmung begrenzt. Vor seiner Verklappung werde der Schlamm zudem auf Belastungen überprüft. „Eine Verschmutzung der Strände oder eine Beeinträchtigung des Badewassers auf den Inseln, in der Wesermündung oder im Jadebusen ist nicht zu befürchten“, betont Werner.


Anders sieht das Holger Kohls. Aufzeichnungen der Gezeitenströme zeigten, dass die Sedimentwolke sehr wohl Wangerooge erreichen könne. Die Gemeinde habe bereits schriftlich um Stellungnahme zu den Plänen gebeten.

Auch der Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) will nach Angaben seiner Sprecherin Herma Heyken die Verklappung prüfen. „Dabei geht es vor allem um Interessen des Wattenmeer-Nationalparks und um die EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Wasserqualität an der Küste“, sagte Heyken.