Wangerooge - Eigentlich führt Inga Blanke ja ein ganz normales Leben. Nur, dass sie 49 Paar Gummistiefel hinterm Haus stehen hat. Und dass ihr Tag oft um 4 Uhr anfängt – mit glitschigem Watt zwischen den Zehen. Denn die 30-Jährige hat sich auf Wangerooge als Wattführerin selbstständig gemacht – und sie kann sich kein schöneres Leben vorstellen.
Gern möchte Inga Blanke auch im Winter etwas für die Gäste, aber auch für die Insulaner anbieten. „Die sollten schließlich auch ihr eigenes Umfeld und Zuhause kennen.“
Die nächsten Termine ihrer Wattführungen:
Weitere Termine sowie Infos gibt es im Wangerooger Veranstaltungskalender oder direkt bei Inga Blanke unter Tel. 04469/ 22 80 067.
Seit fast fünf Jahren lebt Inga Blanke jetzt auf der Insel. Sie stammt aus Bremerhaven, „ich war also schon immer ein Küstenkind“, sagt sie. Bevor es zur Insel ging, war sie für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Dänemark als Wattführerin im „Vadehavscentret“ (Wattenmeerzentrum) tätig, hat dann in Oldenburg und in Hamburg Biologie studiert. Von der Reeperbahn also ins Wangerooger Wattenmeer. „Ein richtiges Kontrastprogramm“, sagt Inga Blanke. „Aber ein tolles.“
Nur vorübergehend?
Die Insel hat Inga Blanke schon als Kind kennengelernt. Damals hat sie dort Urlaub gemacht. Vor einigen Jahren kam sie, um eine Freundin zu besuchen. Und da wurde ihr klar: Wangerooge ist ihre große Liebe. Schnell fasste sie den Entschluss, dort vorübergehend zu arbeiten. Ihr Plan: zwei Jahre lang im Nationalpark-Haus zu arbeiten.
Doch aus vorübergehend wurde länger. „Wenn man den ersten Winter auf der Insel überstanden hat, ist man Teil der Gemeinschaft.“ Und aus dieser Gemeinschaft wollte Inga Blanke nicht wieder weg. „Ich habe schnell Kontakte geknüpft, sogar eine beste Freundin gefunden und ich bin bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv – und das, obwohl ich damit vorher nie etwas zu tun hatte.“
Doch sie erinnert sich noch genau: 2013 stürmte Orkan „Xaver“ über die Insel, die Feuerwehrkameraden füllten Sandsäcke und wachten über den Deich. „Ich bin mit dem Orkanhochwasser ans Festland gefahren, weil ich Tante wurde.“ Als sie zurückkam und hörte, wie viel die Feuerwehr zu tun hatte, sagte sie: wäre ich hier gewesen, hätte ich mitgeholfen. „Da wurde ich gleich gefragt: warum hilfst du nicht immer mit? Und schon war ich Mitglied.“
Gerade eingelebt, endete dann allerdings die Arbeitszeit im Nationalpark-Haus. Und nun? „Der Gedanke daran, wieder zurück ans Festland zu ziehen, bereitete mir richtige Bauchschmerzen.“ Das kam also nicht infrage.
„Zufällig erfuhr ich dann, dass Wattführer Menno Jürgens von der Insel ging – und übernahm seine Arbeit.“ Als Biologin und aus der bisherigen Arbeitszeit im Nationalpark-Haus kannte Inga Blanke sich aus. „Außerdem bekam ich Tipps von den Kollegen vor Ort. Hier ist wirklich ein toller Zusammenhalt.“
In den Sonnenaufgang
Um sich etwas abzuheben und etwas Besonderes anzubieten, startete Inga Blanke dann mit den Wattführungen bei Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Leicht fällt es ihr nicht immer, so früh aufzustehen. „Aber die Leute, die daran teilnehmen, sind mit so viel Freude dabei, dass es alles wieder gut macht.“
Zudem ist Inga Blanke einfach gern in der Inselnatur unterwegs. „Ich bin generell viel draußen und liebe es, dort auch zu arbeiten.“ Und das übrigens auch im Winter – weshalb sie die Wattführungen auch in den Wintermonaten anbietet.
Zwar hat sie gemerkt: Auf Wangerooge ist es nicht leicht, Wohnungen zu finden – vor allem Personalwohnungen. Und es ist nicht immer leicht, mit dem Geld auszukommen. „Durch die Fracht ist alles teuer. Ich komme mit meinem Geld klar, aber hätte ich eine Familie oder Haustiere, sähe das sicher anders aus.“ Auch zu speziellen Ärzten ans Festland zu fahren sei nicht immer leicht. „Besonders ältere Menschen haben da sicher Schwierigkeiten.“
Aber andererseits hat Inga Blanke auch gemerkt: die Lebensqualität auf der Insel ist für sie sehr groß – und einfach unersetzlich. „Momentan kann ich mir kein schöneres Leben vorstellen.“
