WANGEROOGE - Mehr als 2700 Kilometer von Spitzbergen nach Wangerooge waren die Meerstrandläufer unterwegs, die Andreas Bange, Mitarbeiter des Mellumrats, in diesem Winter auf der Insel beobachtet hat. Dieses Geheimnis hat ein kleiner Farbring gelüftet.
Bange, der derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) für den Mellumrat auf Wangerooge leistet, nahm Kontakt zu norwegischen Vogelforschern auf, nachdem er die Farbring-Kombination am Bein eines Vogels notiert hatte. Anhand dieser Farbkombination konnten die Norweger zweifelsfrei feststellen: Dieser Meerstrandläufer ist schon am 5. August 2009 an der Südspitze Spitzbergens mit den Ringen ausgestattet worden.
Durch Projekte wie dieses wollen die Forscher mehr über den Vogelzug herausfinden – was ihnen mit Andreas Banges Hilfe auf Wangerooge auch gelungen ist. Bange entdeckte am gleichen Tag noch einen zweiten Meerstrandläufer mit Ringen. Dieser hatte seine Ringe, so stellte sich nach der Kontaktaufnahme mit Norwegen heraus, erst am 27. August 2010 als Jungvogel in der Nähe von Longyearbyen, der Hauptstadt der Inselgruppe Spitzbergen, bekommen, zusammen mit mehr als 1270 Artgenossen. Das bedeutet, er hat die mehr als 2700 Kilometer Flugdistanz nach Wangerooge in nur wenigen Monaten zurückgelegt.
Diese Daten tragen dazu bei, das Zugverhalten der Vögel besser zu erforschen. Der Meerstrandläufer gilt als einer der am wenigsten erforschten Watvögel, da er zwar recht zutraulich, gleichzeitig aber sehr schwer zu fangen ist.
Aufgrund der Farbmarkierung der Vögel lässt sich aber feststellen, welche Zugwege einzelne Vögel wählen, wo sie überwintern und ob sie wieder zum „Geburtsort“ zurückkehren. Auch wie alt einzelne Vögel werden, lässt sich mittels der Beringung feststellen.
Auf Wangerooge halten sich im Winter bis zu 100 Meerstrandläufer auf. Meist sitzen sie auf den Buhnen, wo sie nach Nahrung suchen. Bis Anfang Mai sind Meerstrandläufer auf Wangerooge anzutreffen, dann verlassen sie die Insel um, in ihre nordischen Brutgebiete zurück zu fliegen.
