Wangerooge - Zurzeit wird auf Wangerooge – wieder einmal – über die Ertüchtigung des Westanlegers diskutiert. Das ist auch höchste Zeit, denn der Hafen wurde vor mehr als 100 Jahren als „Kanonenbrücke“ durch die Kaiserliche Marine errichtet.
Zwar hat man die Landungsbrücke, von den Wangeroogern kurz „Anleger“ genannt, im Lauf der Jahrzehnte oftmals erweitert und verstärkt, doch im Kern steckt der Erste Weltkrieg darin.
Ende des 19. Jahrhunderts ist die Reise nach Wangerooge auch für damalige Zeiten beschwerlich: Zwar wird 1888 die Eisenbahnlinie Jever-Carolinensiel eröffnet, aber vor der Insel müssen die Gäste vom Postdampfer „Nordfriesland“ auf ein vor Anker liegendes Segelboot im Watt umsteigen, den so genannten „Stationär“. Von dort werden sie mit hochrädrigen Wattwagen abgeholt.
Das erscheint 1897 nicht mehr zeitgemäß und der Oldenburgische Landtag genehmigt den Bau einer Landungsbrücke am Westende der Insel, die per Eisenbahn an das Dorf angeschlossen wird. Am 3. Juli 1897 geht die Bahn in Betrieb, weiß Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens.
Als Großbritannien, Russland, USA und Japan ihre Flotten vergrößern, beginnt auch das Deutsche Reich 1898 mit der Aufrüstung seiner Kriegsflotte. Kaiser Wilhelm II. ist überzeugt: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser.“
Wangerooge gewinnt als vorgeschobener Posten des Kriegshafens Wilhelmshaven wachsende Bedeutung. Auf der Insel werden starke Küstengeschütze geplant, die feindlichen Schiffen die Einfahrt in Jade und Weser unmöglich machen sollen.
Um die schweren Einzelteile – die bis zu zwölf Meter lange Geschützrohre wiegen 44 Tonnen – anlanden zu können, bauen Hanauer Pioniere im Jahr 1912 die „Kanonenbrücke“. Denn der Anleger der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (GOE) ist für diese schweren Lasten nicht ausgelegt. Weil dieser erste Anleger versandet, wird der Marineanleger schließlich auch für den zivilen Fährverkehr genutzt.
Die wachsende militärische Bedeutung Wangerooges und seines Hafens zeichnet sich ab 1900 immer deutlicher ab: Bis zum Ersten Weltkrieg führen umfangreiche Baumaßnahmen und neue Gleisanschlüsse zu vielen zusätzlichen Transporten.
Dazu gehört im Jahr 1900 auch das Vorhaben, ein Stichgleis Richtung Westen zu bauen. Es zweigt bei der Saline auf halber Strecke von der Hauptstrecke ab und ist knapp zwei Kilometer lang. Die Strecke wird immer noch genutzt.
1904 wird die Inselbahn ostwärts über die gesamte Insel verlängert und endet am Ostanleger für die Schiffe aus Bremerhaven und Wilhelmshaven (5,4 km). Der Ostanleger wird 1958 stillgelegt; die Gleisstrecke abgebaut.
Im Verlauf des Ersten Weltkriegs werden zahlreiche Anschlussgleise zu militärischen Einrichtungen gelegt – etwa zur Friedrich-August-Batterie, der Graf-Spee Batterie und der Jade-Batterie. Es gibt im Ersten Weltkrieg auf der relativ kleinen Insel bis zu vier Abschnitte der Inselbahn mit maximal 24 Anschlussgleisen, hat der Eisenbahn-Enthusiast Malte Werning herausgefunden.
