Friesoythe - Im März 2013 gelang auf einem Schießplatz bei Meppen der Nachweis eines Wolfes anhand einer Fotofalle. Damit war erstmals ein Wolf im Westen Niedersachsens belegt worden. Mittlerweile geht das Umweltministerium in Hannover davon aus, dass rund 20 Wölfe in Niedersachsen leben, drei Rudel sind dokumentiert. Sogar 330 Wolfsmeldungen hatte es im vergangenen Jahr gegeben. Dass „Canis Lupus“, so die lateinische Bezeichnung, irgendwann durch hiesige Wälder streift, hält Martin Tripp, Wolfsbeauftragter beim Forstamt Sellhorn, für durchaus möglich. Denn die Population wächst.
Deutschland galt seit etwa 1850 als weitestgehend wolfsfrei. Fast 100 Jahre vergingen, bis sich 2000 wieder ein erstes Wolfspärchen aus Polen in Ostdeutschland angesiedelt hatte und Junge bekam. Im vergangenen Jahr waren erstmals nach 100 Jahren auf dem Truppenübungsplatz Munster Wolfswelpen geboren worden.
Je nach „Versorgungslage“ in ihren Revieren in Verbindung mit dem Jagderfolg legen Wölfe teils lange Strecken zurück, schildert Tripp. Auch junge Wölfe begeben sich mit Erreichen der Geschlechtsreife auf Wanderschaft. Auf der Suche nach einem geeigneten Territorium können sie mehrere Hundert Kilometer zurücklegen – zumeist unentdeckt vom Menschen.
Bevorzugen würden die Wölfe Bereiche, wo sie ein sicheres und ungestörtes Familienleben führen könnten. Wölfe meiden die Nähe zu Menschen, schließlich passen die nicht ins Beuteschema. Tripp: „Der Mensch ist als Störer bekannt, die Wölfe halten sich von ihm fern.“
Die Chance, auf einen Wolf in freier Wildbahn zu treffen, hält Tripp deshalb für äußerst gering: „Ich selber habe noch keinen Wolf in freier Wildbahn gesehen“, sagt Tripp, der seit 2007 als Wolfsbeauftragter arbeitet. Wenn Menschen mit Wölfen zusammenträfen, dann häufig mit Jungtieren, die von ihrer kindlichen Neugier getrieben seien. „Aggressionen sind bislang nicht aufgetreten“, so Tripp. Besorgnis für die Bevölkerung brauche nicht zu bestehen.
Auf der anderen Seite sei ein Wolf aber ein Raubtier: „Wenn ein Wolf eine Schafsherde aufmischt, das ist kein schöner Anblick“, gesteht Tripp. Jüngst waren 15 Schafe auf einer Weide bei Lüneburg getötet worden. Der Halter lässt untersuchen, ob ein Wolf sie gerissen hatte.
Onno Striowsky, Revierförster aus Augustendorf, glaubt nicht, dass Wölfe im Kreis Cloppenburg heimisch werden könnten. Dafür seien die Waldgebiete nicht abgeschieden genug. „Unsere Kulturlandschaft bietet für Wölfe auf Dauer keine Überlebenschance“, so Striowsky. Der Eleonorenwald etwa sei teils eingezäunt und stünde daher nur zum Teil zur Verfügung. Andere Waldgebiete seien mit Straßen durchzogen. „Wir sind zu sehr zersiedelt.“
Dem pflichtet Kreisjägermeister Herbert Pitann bei. „Meiner Ansicht nach fehlt den Tieren hier das Biotop“, so Pitann. Dass ein Jungwolf aber auf der Suche nach einem Revier durch den Landkreis zieht, hält Pitann für „nicht abwegig“. Befürchtungen in der Bevölkerung seien aber fehl am Platze: „Der Wolf ist ein sehr scheues Tier.“ Er hält es für sinnvoll, den Wolf „zur Hege“ in das Jagdrecht aufzunehmen. So könnte auch einer möglichen Überpopulation Einhalt geboten werden.
Heinrich Preut von der Schäferei Preut in Thüle ist von den Aussichten, dass möglicherweise ein Wolf durch den Nordkreis zieht, alles andere als angetan: „Ich hoffe, dass er nicht kommt“, sagt der Seniorchef der Schäferei an der Bundesstraße 72. Schafhalter würden sich mit dem Thema aber schon auseinandersetzen und darüber Gedanken machen, wie man sich darauf vorbereitet. Elektrozäune um alle Weiden, auf denen seine Tiere grasen, sieht Preut kritisch. „Die Kosten dafür wären ungeheuer hoch.“ Preut sagt: „Wenn der Wolf zu uns kommt, wird das ein großes Problem.“ Entschädigungszahlungen (s. Infobox) reichten nicht aus.
