Wardenburg - Es war ein zähes Ringen, ehe sich die Mitglieder des Bauausschusses letztendlich mit knapper Mehrheit für einen Erweiterungsbau des Rathauses aussprachen. Intensiv hatten sie zuvor darüber diskutiert, ob ein Erweiterungsbau überhaupt notwendig sei und eventuell ein Abriss des ältesten Teils des Rathauses und dessen Neubau sinnvoll sein könnte.
Den Anstoß zu dieser Diskussion hatten die beiden Architekten Bernd von Sass und Daniel Kahnert vom Oldenburger Architekturbüro MRO gegeben, die auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ihre Pläne für einen Erweiterungsbau vorstellten. Sie hatten zu bedenken gegeben, dass es günstiger sein könne, den Altbau in einem Zuge mit der Erweiterung zu erneuern, als einen Neubau jetzt an die Gegebenheiten des Altbaus anzupassen – unter anderem müssen Höhenunterschiede zwischen Neu- und Altbau angeglichen werden –, und dann vielleicht in ein paar Jahren über Abriss und Neubau des alten Traktes aus den 60er Jahren nachzudenken. Ein Neubau des gesamten Rathauses stand nicht mehr zur Diskussion.
Ein Schock für die Ratsmitglieder: Durch die gute Baukonjunktur steigen die Kosten sprunghaft. Statt der ursprünglich kalkulierten 1,1 Millionen Euro beziffert MRO die Kosten jetzt auf 1,6 Millionen. Das sei die absolute Obergrenze, machten die Ratsmitglieder deutlich.
Acht Büros notwendig?
„Warum muss das neue Gebäude acht Büros haben? In dem alten Anbau waren nur zwei“, wollte Armin Köpke (CDU) wissen. Auch Kora Heißenberg (FDP) gab zu bedenken, dass im Zuge der Digitalisierung künftig viele Prozesse online laufen könnten, die Bürger also gar nicht mehr persönlich ins Rathaus kommen müssten. Dem widersprach Bürgermeisterin Martina Noske: Eine wachsende Gemeinde habe auch größeren Personalbedarf. Und: „Die Rechtsvorschriften werden immer komplexer – das erfordert immer mehr persönliche Beratungen“, erklärte sie.
Ein zweiter und dritter Bauabschnitt – geplant ist, nach dem Neubau auch die beiden Trakte aus den 60er und 80er Jahren zu sanieren – sei mit seiner Fraktion nicht zu machen, betonte Köpke. Dagegen wandte sich Hugo Arians als beratendes Mitglied. „Allein von der Technik her muss hier was passieren“, gab er zu bedenken.
„Wir müssen natürlich die Finanzen im Blick haben, aber wir haben letztes Jahr einen Beschluss gefasst und mit dem Abriss des Anbaus auch schon teilweise umgesetzt“, stellte Werner Wulf (SPD) klar.
Wenn man jetzt zunächst nur einen Erweiterungsbau realisiere, verbaue man sich nichts, wenn man in ein paar Jahren eventuell doch einen Neubau des 60er-Jahre-Traktes plane, stellte Architekt Bernd von Sass klar.
Öffnungszeiten autark
Der Anbau soll sich mit klassischen Verblendsteinen dem bisherigen Stil anpassen. Glasfronten und einsehbare Büros sollen für Offenheit sorgen. Einen wesentlichen Vorteil des Neubaus stellte von Sass dar: Der neue Trakt wird räumlich so vom Altbau zu trennen sein, dass die Öffnungszeiten des künftiges Bürgerzentrums unabhängig vom Rathaus festgelegt werden können.
