WARDENBURG - WARDENBURG - Ein kurzer Dreh mit dem Zündschlüssel und der Achtzylindermotor unter der Haube des Cadillacs erwacht zum Leben. Andree Albrechts drückt noch mal kurz auf s Gaspedal und aus dem sonoren Blubberton wird ein dumpfes Grollen. „Der hat richtig Dampf unter der Haube“, lächelt der Wardenburger Kfz-Meister. Albrechts liebt dieses unverwechselbare Motorengeräusch, das nur die großen alten amerikanischen Achtzylindermotoren mit ihren tellergroßen Luftfiltern bieten.
Seine Liebe zu US-Autos hat der Wardenburger inzwischen zum Beruf gemacht und sich vor einigen Jahren mit einer eigenen Werkstatt am Ostkamp im Wardenburger Industriegebiet niedergelassen. Als einer von wenigen Kfz-Werkstätten im Weser-Ems-Raum hat sich der Zwei-Mann-Betrieb auf die Reparatur von alten Straßenkreuzern und neueren amerikanischen Modellen von Buick bis Pontiac spezialisiert.
In der Werkstatt und im Außenbereich warten zahlreiche Modelle vom Ford Mustang, Lincoln Continental oder Cadillac de Ville aus den 50er-Jahren auf die Restaurationskünste von Albrechts. Bis auf die letzte Schraube werden die automobilen Dinosaurier in Wardenburg zerlegt und danach Stück für Stück wieder aufgebaut. Das kostet Zeit und Geld. Doch wer investiert tausende Euro in einen Wagen, der mit seinen riesigen Ausmaßen zwei Parkplätze benötigt, in engen Kurven schaukelt wie ein Schiff auf hoher See und mehr als 20 Liter Superbenzin verbleit pro 100 Kilometer Fahrstrecke verbraucht? „Da gibt’s einige“, grinst Albrechts. So zum Beispiel Werner Bösel, Taxi-Unternehmer aus Wiefelstede. Heute ist der Ammerländer mit seinem schwarzen Cadillac de Ville Cabriolet zur Inspektion in der Werkstatt.
„Für mich gibt es nichts Schöneres, als mit meinem offenen Cadillac im Sommer durch die Landschaft zu fahren“, sagt Bösel. Wenn andere durch die Landschaft rasen, genießt er, wie er berichtet, as Gleiten auf der Straße in seinem chromverzierten Straßenkreuzer. Ein weiterer Vorteil außer dem Genuss-Faktor: Die Saurier aus Stahl und Blech steigen im Gegensatz zu den meisten ihrer Nachfahren ständig im Wert. Und dank Oldtimer-Bonus liegen die Kosten für Steuer und Versicherung für einen Cadillac de Ville Baujahr 1965 zum Teil niedriger als für einen VW Golf.
Albrechts Kunden kommen im Gegensatz zum Ammerländer Taxi-Unternehmer Bösel sogar bis aus München, um ihren Straßenkreuzer auf Vordermann zu bringen. Einige der Chevrolets und Cadillacs aus den 50er, 60er und 70er-Jahren haben schon mehrere hunderttausend Meilen auf dem Tacho.
Die Wartung der Motoren ist für den Wardenburger kein Problem. Schwieriger gestaltet sich da schon die Reparatur der reichlich vorhandenen elektrischen Helfer an Bord. So verfügt der 40 Jahre alte Cadillac von Werner Bösel bereits über elektrische Fensterheber, Servolenkung, ein elektrisches Verdeck und elektrisch verstellbare Sitze sowie automatisches Abblendlicht. Nicht zu vergessen die Klimaautomatik und der Tempomat für entspanntes Dahingleiten.
„Der Cadillac war schon immer das Aushängeschild der amerikanischen Automobilindustrie, da wurde einfach alles reingepackt, was gut und teuer ist“, betont Albrechts. Doch für diese Extravaganz liebt die Fangemeinde ihre Straßenkreuzer. Die vielleicht weniger vernünftig sind, dafür umso mehr Genuss bieten auf Deutschlands Straßen. Gelegenheit, die automobilen Raritäten zu bestaunen, gibt es übrigens vom 15. bis 17. Juli beim Treffen amerikanischer Autos in Wiefelstede.
