Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Neujahrsempfang „Die Zeit für urgrüne Politik ist reif“

WARDENBURG - Die Grünen haben sieben Monate vor den Kommunalwahlen in Niedersachsen das, was als Luxusproblem bezeichnet werden kann: Sie dürfen sich angesichts der bundesweiten Popularitätswerte berechtigte Hoffnung auf viele Sitze in den Räten machen. Was ihnen fehlt, sind Kandidaten. In Wardenburg, wo die Umweltpartei seit 2005 nicht mehr im Rat vertreten ist, gibt es besonders viel Nachholbedarf, wie Birte Wachtendorf am Dienstagabend beim politischen Neujahrsempfang im Wardenburger Hof einräumt.

Wardenburg ist Stiefkind

„Kennen Sie vielleicht jemanden? Wir suchen engagierte Menschen, die sich für grüne Politik engagieren wollen“, antwortet die Kreisgeschäftsführerin auf die Frage, wie es zurzeit um die Chancen nach dem Wiederaufleben eines Wardenburger Ortsverbands steht. „Wardenburg ist ein wenig unser Stiefkind“, gibt auch der Kreisvorsitzende Eduard Hüsers (Huntlosen) zu.

Optimistischer zeigt sich dagegen der Achternmeerer Heinz Wellmann, einer der wenigen Wardenburger, die der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt sind. „Da wird was kommen“, ist er überzeugt, dass am 11. September wieder grüne Kommunalpolitiker ins kommunale Parlament einziehen.

Die Zeit für „urgrüne Politik“ sei reif im Landkreis Oldenburg, zeigt sich jedenfalls Eduard Hüsers überzeugt. Er fordert im Namen seiner Partei eine „Agrarwende“ ein. Der „Schmusekurs mit der Agrarlobby“, die eine industrielle Landwirtschaft vertrete, müsse im Oldenburger Land beendet werden, so der einstige Kreistagsabgeordnete aus Huntlosen. Bauern müssten faire Preise für ihre Produkte erhalten. Scharf kritisierte Hüsers die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die in Huntlosen eine Seminar unter dem Titel „Wie den Hof aufgeben?“ anbiete und damit den Trend zu Großbetrieben forciere. Fehlentwicklungen im Bereich Biogas müssten korrigiert werden.

Neue Leitlinien für Biogas

Die Strategie der Kreisverwaltung, den Bau weiterer Biogasanlagen über Brandschutzauflagen zu bremsen, sei nur eine Notlösung. „Neue politische Leitlinien auf Bundes-, Landes- und Kreisebene ist es, was wir jetzt brauchen.“


Genau daran arbeiten zurzeit nach eigenem Bekunden die Bundestagsabgeordneten Dorothea Steiner, Sprecherin für Umweltpolitik, und Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik, der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Steiner nutzt ihren Auftritt als Gastrednerin in Wardenburg für eine Anpassung der Biogasförderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu werben. Die Bonuszahlungen für Mais müssten spürbar gesenkt werden, sonst werde der ländliche Raum ab Spätsommer zu einem riesigen Maislabyrinth. Die Monokulturen bedeuteten außerdem eine große Belastung für Böden und Gewässer – eine Gefahr, auf die auch der zweite Gastredner Egon Harms vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) hinweist. Als Lösung der „Fehlentwicklung“ wollen die Grünen künftig Bonuszahlungen an die Vielfalt der verwendeten Pflanzen sowie der Nutzung von Mist und Abfällen knüpfen.

Mehr Bürgerbeteiligung

Der Güllebonus sei dagegen unnötig, findet Steiner. Solar- und Windenergie müssten gegen den Widerstand von Schwarz-Gelb weiter vorangetrieben werden. Generell sei ein neuer Politikstil nötig, ist die Bundestagsabgeordnete aus Osnabrück überzeugt. „Alle Umfragen zeigen, die Bürger wollen eine Politik, an der sie durch Beteiligungen und Entscheide partizipieren können. Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung.“

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden