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Windenergie Ministerium macht Weg frei

Wardenburg - Es zeichnete sich bereits Ende vergangenen Jahres ab: Zwischen Kayhauserfeld (Ammerland) und Achternmeer/Harbern I soll die geplante 380-kV-Stromleitung nicht unterirdisch, sondern als Freilandleitung gebaut werden. Das teilte das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz jetzt mit. In der Gemeinde Wardenburg ist davon insbesondere der Denkmalsweg betroffen. Hier werden die Mindestabstände zur Wohnbebauung nach derzeitigem Planungsstand nicht eingehalten.

Es war eine Abwägungsentscheidung. Sowohl bei einer Freileitung als auch bei einer Erdverkabelung hätten „in diesem Bereich nicht alle Ziele der Raumordnung eingehalten werden können“, heißt es in der Pressemitteilung des Betreibers Tennet. Mit der Freileitungsplanung würden im Trassenverlauf die Abstandsvorgaben von 400 Metern zu Wohngebäuden in zwei Bereichen – am Denkmalsweg in Achternmeer und an der Woldlinie in Kayhauserfeld – unterschritten.

In Harbern sei die Stimmung geteilt, „von erleichtert bis skeptisch“, sagt Bezirksvorsteher Horst Lewerenz. „Die alte Leitung verläuft viel näher an der Wohnbebauung, hier werden durch die neue Trassenführung einige Anlieger entlastet.“

Letztes Wort hat Behörde

Anders in Achternmeer. Dort verschwenkt die neue Trasse in Richtung Denkmalsweg. Dadurch können die Mindestabstände von 400 Metern zur Wohnbebauung nicht überall eingehalten werden. Im Bereich des Denkmalsweges ist laut Ministerium „durch mehrere Baumreihen und Gehölze ein Sichtschutz zur geplanten Freileitung und damit ein gleichwertiger Wohnumfeldschutz gegeben. Daher ist hier (...) eine Freileitungsplanung möglich.“ Offensichtlich tragen die Anwohner es mit Fassung: Sowohl Bezirksvorsteher Horst Witte als auch Bauamtsleiter Frank Speckmann erklärten auf Nachfrage der NWZ, ihnen sei nicht bekannt, dass Anlieger dagegen geklagt hätten. Auch Janina Schultze, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet, betont, die Diskussionen bei Infovorträgen und Einzelgesprächen mit den Anwohnern seien „kritisch, aber konstruktiv“ gewesen. Seitens der Gemeinde wäre eine Klage ebenfalls möglich, stehe aber nicht zur Debatte, so Speckmann. „Die von Tennet sehr sachlich und nachvollziehbar vorgetragenen Argumente für die Freileitungsvariante waren überzeugend.“

Allerdings: Tennet plant zwar nun konkret die Freileitung. Mit dem Ja des Ministeriums ist aber nur das Raumordnungsverfahren abgeschlossen, nun folgt das Planfeststellungsverfahren. Dafür ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zuständig. Sie hat somit das letzte Wort, ob die Freilandleitung mit dieser Trassenführung gebaut wird.


Aufgrund des Torfbodens hat sich Tennet letztendlich für eine Freilandleitung entschieden. Er ist so weich, dass eine Erdverkabelung über eine längere Strecke schwierig zu realisieren ist. Außerdem sorgt der Torf für eine enorme Hitzeentwicklung im Bereich der Kabel. So wären auch bei der unterirdischen Bauweise Ziele der Raumordnung verletzt worden, weil der Torf vollständig hätte entnommen und durch Sand ersetzt werden müssen. Auch unter Umweltgesichtspunkten wäre der immense Bodenaustausch kritisch gewesen, hatte Janina Schultze in einem NWZ-Interview im November erklärt. „Tennet baut im Rahmen der Energiewende. Mit dem Bodenaustausch würden wir aber in einen der besten CO2-Speicher eingreifen, die wir haben.“ Eine Freileitung sieht Tennet daher als „raum- und umweltverträglichere Alternative“. Dieser Ansicht ist das Ministerium nun gefolgt. Die Freilandleitung ist Teil einer 380-kV-Leitung, die Strom aus Windkraftanlagen Richtung Süden transportieren soll.

Digitale Sprechstunde

Anlieger sowie Eigentümer, auf deren Flächen ein Maststandort vorgesehen ist, werden postalisch über die weiteren Schritte informiert.

Aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen zu Corona bietet Tennet Sprechstunden per Telefon, Web- oder Videokonferenz an. Terminvereinbarung unter t   0421 / 644 702 -15 oder per Mail an janina.schultze@tennet.eu.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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