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Wirtschaftstag Landwirte: Zwischen Regeln und Realität

Wardenburg - „Die kommunale Ebene ist für die Landwirte entscheidend – von dort brauchen sie keine Stolpersteine, sondern Unterstützung“, fand Helmut Urban klare Worte. Der Unternehmer und Initiator der Landtage Nord in Hude hielt das Impulsreferat auf dem 3. Wirtschaftstag, den die Kreislandvolkverbände der Region zusammen mit anderen Institutionen am Donnerstag in Wardenburg ausrichteten.

Mit seinem Plädoyer sprach Urban vielen der örtlichen Landwirte aus der Seele: Anlässlich des Wirtschaftstages hatte die NWZ Landwirte in der Gemeinde Wardenburg Stellung nehmen lassen und ein ganz ähnliches Stimmungsbild bekommen.

Sachliche Diskussion

Viele Forderungen der Politik gehen an der Realität der Landwirte vorbei, findet Jürgen Logemann, stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes. „Es kommt häufig vor, dass neue Gesetzgebungen und Verordnungen nicht zum Alltag passen und nur bei Neubaumaßnahmen im großen Stil umgesetzt werden können“, weiß er. „Die kleinen Landwirte, die höchstens Bestehendes umrüsten könnten, bleiben da auf der Strecke.“ Er wünscht sich von der Politik, „dass wir mal wieder Luft holen können. Die Schlagzahl ist einfach zu hoch geworden.“ Damit gehe einher, dass Querverbindungen und Abhängigkeiten nicht mehr überprüft würden. „Welche Auswirkungen eine Verordnung hat, welche Nachteile etwa damit verbunden sind – das alles wird nicht mehr genug berücksichtigt.“

„Wir würden uns wünschen, mehr einbezogen zu werden“, sagt auch Bezirkslandvolksvorsitzender Frank Schröder. „Politik und Landwirte sollten gemeinsam Lösungen finden.“ Ansätze, die sich von den Bauern einfacher umsetzen ließen, scheiterten schon daran, dass in den Ministerien häufig keine Fachleute mehr säßen, sagt der ehemalige Bezirkslandvolkvorsitzende Heiner Möhlenpage. „Das Fachwissen fehlt sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung“, ist seine Erfahrung. Er wünscht sich neben der Fachkompetenz auch mehr Sachlichkeit in der allgemeinen Diskussion. „Wir werden von allen Seiten angegangen und sind ständig der Sündenbock. Dabei sind doch wir die Fachleute. Es gibt noch 270 000 Landwirte in Deutschland – wir haben das gelernt. Warum meint jeder, dazu etwas sagen zu können?“, ärgert er sich.

Verbesserungen in der Landwirtschaft mitzutragen, dazu seien die Bauern bereit, signalisiert Jürgen Logemann. Aber sie müssten machbar und finanzierbar sein. „Wir bekommen keinen Cent mehr dafür“, macht er deutlich. Das bedeute, mehr und günstiger produzieren zu müssen, damit die Rechnung aufgehe.


Macht keinen Spaß mehr

Eine Entwicklung, die auch Frank Schröder mit Sorge sieht: „Damit der Beruf des Landwirts attraktiv bleibt, muss er finanziell und auch in Bezug auf die Freizeit mit anderen Berufen mithalten können.“ Viele Betriebe seien schon seit Generationen in der Familie, und man habe großes Interesse daran, sie zu erhalten, macht Logemann deutlich. „Aber so, wie es jetzt läuft, machte es den jungen Leuten keinen Spaß mehr.“

Spaß am Beruf habe er schon noch, sagt Junglandwirt Dirk Freese. Er will in zwei Jahren den Betrieb von seinem Vater Egon übernehmen, auch wenn der ihm rate aufzuhören. Doch die Bedingungen müssten sich verbessern, ist Dirk Freese mit seinen Kollegen einig: „Die Auflagen sind zu hoch, wir haben kaum noch unternehmerische Freiheiten.“ Auch die Büroarbeit werde immer zeitintensiver. „Das Papier ist mittlerweile wichtiger als die Tiere und Felder.“ An die neue Landesregierung, die am 15. Oktober gewählt wird, hat er einen konkreten Wunsch: „Wir brauchen eine Fachperson als Landwirtschaftsminister.“

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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