WAREN/BREMEN/GROßEFEHN - Der Nordmilch-Konzern macht Ernst: Die zu ihm gehörende Müritz Milch GmbH hat Strafanzeige wegen Nötigung gegen sieben Landwirte erstattet, die im Mai mit Traktoren das Werk in Waren blockierten. Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler in Neubrandenburg bestätigte dies am Dienstag.
Die Landwirte hatten mehrere Tage lang verhindert, dass Rohmilchlieferungen in die Molkerei und fertige Milchprodukte wieder heraus gelangten. Der Konzern hatte – wie berichtet – am Montag Schadensersatzforderungen gegen die von der Polizei erfassten Blockadeteilnehmer der sieben Nordmilch-Werke angekündigt.
Wie Nordmilch-Sprecher Hermann Cordes am Dienstag in Bremen berichtete, sei über das genaue Vorgehen jedoch noch nicht entschieden. Während der Blockaden seien Anzeigen erstattet worden, damit die Polizei die Aktionen dokumentierte und Personalien feststellte. „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, sagte Cordes.
Derzeit werde geprüft, wie hoch der entstandene Schaden in den einzelnen Werken sei. „Erst dann entscheidet der Vorstand über alles Weitere.“ Wann die Bilanz abgeschlossen sei und erste Schadensersatzforderungen erhoben werden könnten, stehe nicht fest.
Der Landesvize des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Ludwig Soeken, sprach am Dienstag in Großefehn (Kreis Aurich) von „Angstmache“. Die meist genossenschaftlich organisierten Molkereien würden mit Strafanzeigen und Schadensersatzansprüchen „gegen ihre eigenen Bauern vorgehen, denen die Molkerei doch gehört.“ Aus Niedersachsen seien ihm aber keine Fälle dieser Art bekannt.
Landwirt und BDM-Beiratsmitglied Rainer Beste sagte, der Verband sei erstaunt, dass Nordmilch „jetzt solche Geschütze auffährt“. Nordmilch als größte deutsche Molkereigenossenschaft signalisiere damit, dass sie nicht mehr mit ihren Mitgliedern, den Landwirten, an einem Strang ziehe.
Beste sagte, mit den Strafanzeigen solle offenbar Druck auf die Bauern ausgeübt werden. Der BDM nehme dies mit „sachlicher Gelassenheit“ zur Kenntnis und prüfe, was zu tun sei. In Deutschland werden Beste zufolge 70 Prozent der Milch in genossenschaftlichen Molkereien verarbeitet, „die eigentlich den Landwirten gehören“.
Unterdessen plant der BDM für Freitag eine Großkundgebung im ostfriesischen Timmel. Beginn ist um 20 Uhr. Hintergrund ist auch Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen der Entwicklung. Es werden auch viele Bauern aus dem Oldenburger Land und Emsland erwartet.
Agrarminister Seehofer führte weitere Gespräche zum „Milchgipfel“. Er traf sich mit Bio-Bauern.
