Hannover/Hildesheim/Osnabrück - „Jetzt ist Schluss mit lustig.“ Tausende Trillerpfeifen unterstreichen die Worte von Karin Gödecke, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Stadt Hannover, mit einem lauten Getose vor dem Rathaus. Über 6000 „Verdi“-Gewerkschafter sind sauer über die schleppenden Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern bei Bund und Kommunen, die nur drei statt der geforderten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt bieten. Der Warnstreik der Kommunal-Beschäftigten legt jedenfalls an diesem Dienstag die Landeshauptstadt lahm.
Nichts geht mehr an der Leine. Kilometerlange Staus in die Innenstadt und zur Hannover Messe, weil alle Busse und Bahnen in den Depots bleiben. Aber auch die Kitas sind dicht, der Müll bleibt liegen, Bürgerämter haben geschlossen und Klinikmitarbeiter demonstrieren auf der Straße. Ein Vorgeschmack.
An diesem Tag spielt „Verdi“ mit den Muskeln auch in Bremen, Hildesheim, Hameln, Salzgitter, und Osnabrück. Am heutigen Mittwoch geht es unter anderem in Weser-Ems und auf dem Flughafen Hannover weiter. In Hannover lassen sich die Verdi-Mitglieder weder von Kälte noch Schneeregen stoppen. Ein langer rot-weißer Lindwurm zieht durch die Innenstadt. Überall Transparente: „Gemeinsam stark“, „Wir sind es wert“ und „Gute Arbeit, guter Lohn, gute Rente“. Viele Auszubildende sind dabei. Sie kämpfen für 100 Euro mehr im Monat und eine „unbefristete Übernahme“.
„Erzählt uns nicht, dass kein Geld da ist“, ruft „Verdi“-Bezirksgeschäftsführer Harald Memenga in Richtung Rathaus-Balkon. Nach Berechnungen der Gewerkschaft fließen in den nächsten drei Jahren 30 Milliarden mehr Steuereinnahmen in die öffentlichen Kassen. Davon wollen die knapp zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen in Deutschland profitieren. Doch die angebotenen drei Prozent von der Arbeitgeberseite nennt Personalrätin Gödecke „einen Witz und eine Frechheit, aber kein Angebot“. Deshalb stocken die Gespräche.
Die Tarifverhandlungen werden erst am 28. und 29. April in Potsdam weitergehen. Bis dahin will „Verdi“ Druck machen. Gerade in Niedersachsen. Mit einer regelrechten Welle von Warnstreiks. „Wir lassen uns nicht abspeisen“, heißt es drohend.
