Hannover/Oldenburg - Lokale in Niedersachsen, die gegen Hygienevorschriften verstoßen, werden ab 1. Oktober an den Pranger gestellt. Die Landesregierung will die Namen von Unternehmen im Internet nennen, die durch Gammelfleisch, verdreckte Restaurantküchen oder Schimmelbildung aufgefallen sind. Das Agrarministerium hat dazu eine Internetseite eingerichtet, die am kommenden Montag freigeschaltet werden soll.
„Der Verbraucher soll erkennen, welcher Betrieb sauber arbeitet und wo es Schwierigkeiten gibt“, sagte Ministeriumssprecher Christian Wittenbecher dieser Zeitung. Er geht allerdings nicht davon aus, dass das Portal bereits am Montag Meldungen enthält. Betroffen sind Verstöße, die seit dem 1. September festgestellt worden sind. Zudem werden Hygieneverstöße, Gesundheitsgefährdungen oder Betrügereien nur in besonders schweren Fällen veröffentlicht, oder wenn sie wiederholt vorkommen.
Die betroffenen Unternehmen hätten etwa eine Woche Zeit für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen, erklärte Wittenbecher. „Dass es noch keine Fälle gibt, ist erstmal ein positives Zeichen.“ Das Ministerium erwartet nach den ersten Veröffentlichungen Klagen von Betrieben.
Damit rechnet auch Niedersachsens Hotel- und Gaststättenverband. Der Dehoga hält den Internetpranger für problematisch, weil dort nicht der rechtskräftig festgestellte Verstoß, sondern der Verdacht eines Verstoßes festgestellt würde. Dehoga-Hauptgeschäftsführer Rainer Balke fürchtet, dass nur einmal ertappte Betriebe auf Dauer stigmatisiert würden.
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht das Portal dagegen positiv. Es helfe zwar nicht beim aktuellen Einkauf, würde aber dazu führen, dass unseriöse Betriebe langfristig vom Markt verschwänden.
An der Überprüfung der Futtermittel ist das Oldenburger Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) beteiligt. Lebensmittel werden von den Kreisbehörden überprüft.
