Wildeshausen - Der demografische Wandel sorgt in Deutschland für einen wachsenden Mangel an Fachkräften. Auch in Wildeshausen hoffen Unternehmer darauf, unter den zahlreichen Flüchtlingen, die in der Stadt und im Landkreis ankommen, motivierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte zu finden. Bis es soweit ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Das wurde bei einem Informationsabend am Mittwoch im Wildeshauser Kreishaus deutlich. Die Mittelstandsvereinigung MIT und die Kreisverwaltung hatten Experten von Arbeitsagentur, Jobcenter und Handwerkskammer eingeladen, die über Chancen und Hindernisse berichteten.
„Seit Monaten beschäftigen wir uns damit, Obdachlosigkeit bei den Flüchtlingen zu verhindern. Die Integration, auch in den Arbeitsmarkt, wird der nächste Schritt sein“, sagte Bodo Bode, Sozialdezernent beim Landkreis in seiner Begrüßung. „Uns geht es um die Frage: Wie bekomme ich diese Arbeitskräfte in mein Unternehmen integriert?“, sagte der MIT-Vorsitzende Ingo Hermes.
Drei Monate Wartezeit
Und dafür gibt es tatsächlich einige Hürden: Dass Flüchtlinge erst nach drei Monaten eine Arbeit aufnehmen dürfen und einheimische Bewerber unter Umständen vorrangig eingestellt werden müssen, darüber berichteten Christian Heuer von der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven und Sabine Behrens vom Jobcenter des Landkreises Oldenburg. Welche Regeln gelten, ist dabei abhängig vom Aufenthaltsstatus des potenziellen Mitarbeiters.
Sowohl Heuer als auch Behrens und Bode machten allerdings deutlich, dass es nicht im Sinne der Behörden sei, eine Beschäftigung von Flüchtlingen zu verhindern.
Sinnvoll, so Heuer, sei es in jedem Fall, bei der geplanten Einstellung eines Flüchtlings parallel Kontakt mit der Ausländerbehörde beim Landkreis aufzunehmen. Wolfgang Jöhnk von der Handwerkskammer Oldenburg berichtete über die Möglichkeiten, Abschlüsse und Berufsausbildungen anerkennen zu lassen.
Anerkennung schwierig
Besonders bei Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan bestehe die Ausbildung aber oft darin, das Handwerk vom Vater oder Onkel zu lernen – ohne offizielle Bestätigung einer staatlichen Stelle sei eine Anerkennung aber schwierig. Selbst wenn keine offiziellen Dokumente vorlägen, gebe es aber die Möglichkeit, das Fachwissen der Bewerber über eine Qualifizierungsanalyse zu ermitteln. Fehlende Qualifikationen könnten dann über Fortbildungen erworben werden.
Allerdings, da waren sich die Experten einig, sinke der Anteil der gut ausgebildeten Flüchtlinge, je länger die Kriege in ihren Heimatländern dauerten.
Die größte Barriere für eine erfolgreiche Arbeitssuche ist aber nach wie vor die Sprache. Für ein Ausbildungsprojekt der Handelskammer, so Jöhnk, falle es derzeit noch schwer, genug Teilnehmer zu finden. Das werde sich aber hoffentlich ändern, wenn die ersten Flüchtlinge ihre Sprachkurse vollständig absolviert hätten.
Gerhard Albers, Leiter der BBS Wildeshausen, berichtete vom Sprint-Projekt, in dem die Berufsbildenden Schulen besonders jugendliche Flüchtlinge auf eine Ausbildung vorbereiten wollen. Er warb bei den Unternehmern dafür, diesen Jugendlichen Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Das sei eine gute Gelegenheit, vielversprechende Kandidaten für eine Ausbildung kennenzulernen.
Trotz aller Initiativen von Behörden, Unternehmen und Kammern werde es aber voraussichtlich zehn Jahre dauern, bis auch nur 70 Prozent der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert seien, meinte Christian Heuer. Der Fachkräftemangel werde allein über die Zuwanderung von Flüchtlingen nicht zu beheben sein.
„Ich hoffe doch, dass es schneller geht und die Zahl von 70 Prozent weit übertroffen wird“, antwortete Ingo Hermes zum Abschluss.
