Eversten - Mal sind es Schlagzeilen, die vor Tierseuchen warnen, mal beschweren sich Nachbarn über Güllegestank: Bauern fühlen sich oft missverstanden. Fragt man Dirk Boltes nach dem Grund, sagt der 55-jährige Landwirt aus Eversten: „Die Menschen haben immer weniger Wissen über die Landwirtschaft.“ Darum will er gemeinsam mit seiner Frau Meike (52) zeigen, „dass moderne Landwirtschaft auch in unmittelbarer Nähe zur Stadt funktioniert.“ Beste Gelegenheit bietet dafür der Tag des offenen Hofes, an dem sich der Milchviehbetrieb Boltes am Sonntag, 15. Juni, als einziger Hof in Oldenburg beteiligt.

Thale Alfs vom Kreislandvolkverband betont: „Wir möchten Verständnis für landwirtschaftliche Fragen wecken und Vorurteile korrigieren.“ Klischees in Köpfen gebe es eine Menge – schon in Schulbüchern werde den Kindern ein falsches Bild vermittelt: „Entweder wird die Realität verklärt mit einem fröhlich pfeifenden Bauern auf dem Traktor oder überkritisch die Verseuchung von Böden und das Thema Massentierhaltung in den Vordergrund gerückt“, moniert Alfs.

Schüler organisieren Bauernhofrallye

Der Hof Boltes am Freesenweg 85 in Eversten öffnet am Sonntag, 15. Juni, von 10 bis 17 Uhr seine Pforten. Der Milchviehbetrieb zeigt, wie Milch erzeugt wird und Kühe gehalten werden.

Eine Klasse der Berufsbildenden Schule III wird eine Bauernhofrallye für Kinder anbieten. Vor- und nachgelagerte Betriebe – Genossenschaft, Lohnunternehmen und Molkerei – wollen sich präsentieren. Landfrauen und Landjugend sorgen für Verpflegung aus regionaler Küche.

Der Tag des offenes Hofes findet bundesweit alle zwei Jahre statt.

Schon 1997 – als der Tag des offenen Hofes landesweit Premiere feierte – hatte der Hof Boltes seine Stalltüren für die Öffentlichkeit geöffnet. „Schon damals waren die Leute überrascht, dass die Fütterung der Tiere computergesteuert ist“, erinnert sich Dirk Boltes.

120 Milchkühe und ebenso viele Kälber stehen bei ihm in den Ställen. 93 Hektar Land, zum größten Teil angepachtet, werden vom Familienbetrieb bewirtschaftet. Zwei der drei Töchter arbeiten mit auf dem Hof: Tanja Boltes (28) unterstützt ihre Eltern gemeinsam mit ihrer 20-jährigen Schwester. Beide haben eine landwirtschaftliche Ausbildung genossen und wollen den Betrieb weiterführen.

Die Ursprünge des Boltes-Hofes reichen bis ins Jahr 1672 zurück. Der erste Standort an der Ecke Edewechter Landstraße/Kaspersweg wurde 1962 aufgegeben. Der ausgesiedelte Hof befindet sich mitten im Eversten Moor am Freesenweg. Ein Teil der Hofflächen liegt im Landschaftsschutzgebiet und wird extensiv bewirtschaftet. Die heranrückende Bebauung lasse genügend Abstand: „Wir wollen hier noch lange durchhalten“, hat sich Dirk Boltes vorgenommen. Ans Aufgeben hat er trotz schwieriger Zeiten für seinen Berufsstand nie gedacht: „Ich bin und bleibe mit Leib und Seele Landwirt.“

Zum Tag des offenen Hofes werden rund 5000 Besucher erwartet. Für Dirk Boltes wäre „schon viel erreicht, wenn die Kinder danach wissen, dass die Kuh nicht lila ist.“