Oldenburg - Mit dieser Meldung aus dem niedersächsischen Krankenhaus-Planungsausschuss hatten am Freitag die wenigsten gerechnet: „Millionen gehen an Klinken in Region.“ Moment. Lesen Sie noch mal. Klinken steht da. Nicht Kliniken.
Ist Ihnen jetzt gar nicht aufgefallen? Uns leider auch nicht. Und so haben wir Sie am Freitag in der Überschrift eines Textes zur Krankenhausfinanzierung in der Region eben damit überrascht, dass Millionen Euro an Türklinken gehen.
Aus Fehlern lernen
Jetzt könnte man natürlich sagen: „Hat eh keiner gemerkt, und bestimmt kaufen die Kliniken mit den Millionen Euro auch mal eine neue Tür. Millionen für Klinken – dann passt die Überschrift also doch. Schwamm drüber.“ Aber Sie, liebe Leserinnen und Leser, können zu Recht mehr von uns erwarten. Eine kleine Entschuldigung nämlich.
Und: Weil man aus Fehlern lernen soll, haben wir einen Experten gefragt, warum unsere, und vielleicht auch Ihre Gehirne, diesen Fehler nicht als Fehler identifiziert haben. Die Antworten, die wir bekommen haben, sind verblüffend.
„Weil man weiß, was da stehen soll und man deswegen leider nicht sieht, was da wirklich steht“, sagt Prof. Dr. Christoph Herrmann von der Oldenburger Uniklinik.
Und das liegt an einer besonderen Fähigkeit unseres Gehirns: Ds Ghrn ist gut darn, Mster zu erkennen und zu vervllstndgn. Richtig: Das Gehirn ist gut darin, Muster zu erkennen und zu vervollständigen. „Assoziativspeicher“, nennt der Experte das.
„Selbst, wenn wir nur 75 Prozent richtige Information eingeben, bekommen wir 100 Prozent richtige Information heraus“, sagt Herrmann. Irgendwie fühlt man sich an eine Suchmaschine erinnert, bei der man etwa „Nor...“ eingibt und dann Nordwest-Zeitung als Treffer bekommt.
Selbst ein von Schnee bedecktes, unlesbares Straßenschild kann das Gehirn richtig assoziieren und deuten. Oder wenn wir durch ein mit Streben verdecktes Fenster auf einen Baum schauen. Was sehen wir? „Sie werden nie die Scheibe oder die Streben sehen, immer den Baum“, sagt Herrmann.
Gefahren erkennen
Abstellen kann man das nicht. Und das ist auch gut so, sagt der Professor. „Wir haben dadurch einen immensen Vorteil. Wir können Sachen wahrnehmen, die eigentlich verdeckt sind.“ So können wir zum Beispiel lauernde Gefahren erkennen – der Fehlerteufel gehört offenbar leider nicht dazu.
