Washington - Die deutsche Wirtschaft zeigt sich besorgt über die stockenden Gespräche um ein neues nordamerikanisches Freihandelsabkommen. „Deutsche Unternehmen haben dort in Milliardenhöhe investiert und über Jahre umfassende Lieferketten aufgebaut“, teilte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, am Samstag in Berlin mit. Die deutsche Wirtschaft sei auch deshalb auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA, Mexiko und Kanada angewiesen.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) forderte ein Abkommen mit Einbeziehung Kanadas. VDA-Präsident Bernhard Mattes teilte am Sonntag mit: „Barrierefreier Handel im bisherigen Nafta-Raum ist für deutsche Hersteller und Zulieferer entscheidend.“ Sie seien in den USA, in Mexiko und in Kanada mit mehr als 400 Standorten vertreten. Bis zum fertigen Fahrzeug passierten Teile oft mehrfach die Grenzen. „Neue Zölle und Handelsbarrieren werden Arbeitsplätze kosten – gerade auch in den USA.“
Am Samstag hatte US-Präsident Donald Trump überraschend angekündigt, das Abkommen komplett aufzukündigen. „Der Kongress sollte sich nicht in diese Verhandlungen einmischen, oder ich werde Nafta insgesamt beenden – und wir werden besser dastehen“, schrieb der Republikaner auf Twitter.
Trump schrieb, es sei eines der schlechtesten je geschlossenen Handelsabkommen. „Die USA haben Tausende Firmen und Millionen von Arbeitsplätzen verloren. Wir waren vor Nafta viel besser dran, es hätte nie unterzeichnet werden dürfen.“
Die Drohung kommt überraschend, denn erst am Vortag hatte Trump einen Brief an den Kongress gesandt, um den parlamentarischen Prozess für ein neues Freihandelsabkommen in Gang zu setzen. Mit Mexiko haben sich die USA bereits auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt. Gespräche mit Kanada blieben bis Ablauf einer Frist am Freitag ohne Ergebnis, sollen aber am Mittwoch fortgesetzt werden.
