Wildeshausen/Glane - Weißer Sandstrand, klares Wasser und ein blauer Himmel mit weißen Wölkchen: Wer würde dort nicht gerne baden? „Das ist streng verboten“, sagt Reiner Spille, Geschäftsführer des Glaner Sandkontors. Und sehr gefährlich. Bei der Sandgrube an der Kreisstraße 242 in Glane handelt es sich um ein Betriebsgelände, auf dem ein Spülbagger und weitere Geräte im Einsatz sind.
Vor gut elf Jahren erhielt die Glaner Sandkontor GmbH, zu der drei Gesellschafter gehören, die Genehmigung zum Sandabbau. Auf einer Gesamtfläche von 25,5 Hektar wird auf 20 Hektar Sand abgebaut, erläutert Spille. Es entstehen zwei Seen mit einer Wasserfläche von 15,5 Hektar. Zehn Hektar konnte das Unternehmen trocken abbauen. Auf einer Tiefe von zwei Metern stießen die Bagger bereits auf Grundwasser.
Nahezu lautlos treibt inzwischen der Saugbagger auf dem gut zehn Hektar großen See. Unter Wasser wird der Füllsand wie bei einem Staubsauger angesaugt. Damit das Unternehmen die genehmigte Tiefe einhält, werde die Anlage mit Hilfe von Echolot und GPS gesteuert. Spille: „Wir können exakt sehen, wo noch abgesaugt werden darf.“ Etwa 1000 Tonnen pro Tag werden ins Freie gespült.
Über eine große Rohrleitung wird das Wasser-Sand-Gemisch (80 Prozent Wasser, 20 Prozent Sand) einem großen orangen Schöpfrad zugeführt. Es trennt mit Hilfe von Sieben Sand und Wasser. Der vorgetrocknete Sand wird mit einem Förderband auf eine Miete transportiert. Es entsteht ein Halbkreis von Sandtürmen – maximal 8000 Tonnen. Das „Abwasser“ wird vom Schöpfrad zunächst einem Sickerbecken zugeführt. Von dort gelangt es wieder zurück in den See.
Zwei Mitarbeiter sind auf dem abgesperrten Gelände tätig. Nicolai Oks (50) steuert am Dienstag den 26 Tonnen schweren Radlader, um den Füllsand von der Miete auf Lastwagen zu verladen. Moderne Technik macht es möglich, dass der Sand in der Schaufel des Radladers gewogen wird. Der Kunde erhält sofort einen ausgedruckten Beleg, damit er weiß, wie viel Tonnen Sand auf dem Anhänger sind. „Es kommen derzeit bis zu 70 Lkw pro Tag“, sagt Oks. Im Wesentlichen holen Tiefbauunternehmen aus einem Umkreis von 30 Kilometern den Sand für den Straßenbau oder zum Auffüllen von Bauplätzen ab.
„Der Nassabbau ist etwa 30 Prozent teurer als der Trockenabbau“, so Spille. „Leider haben wir keinen Kies gefunden“, meint der 64-jährige Unternehmer. Die Firma Glaner Sandkontor habe eine Lizenz für 20 Jahre, um den Sand abzubauen. Diese könne aber verlängert werden. Vermutlich schon im kommenden Jahr soll in Richtung Westen ein weiteres Abbaufeld erschlossen werden.
Baden wird auch nach dem Ende des Sandabbaus verboten sein, stellt der Sandkontor-Chef klar. „Wir geben das Gelände der Natur zurück.“ Es wurden bereits etliche Gehölze gepflanzt. Rund um den See entstehen Wildblumenwiesen. Enten und Gänse haben den Baggersee bereits entdeckt. Sie dürfen bleiben.
