Oldenburg - Am Scheideweg in Nadorst reißt ein Bagger dicke Stücke aus dem Asphalt. „Helga, jetzt guck doch mal“, sagt Margrit Folkerts zu ihrer Nachbarin und zeigt auf das Loch in der Straße. Wenige Stunden vorher rollten noch Autos über beide Seiten der Fahrbahn. Am Dienstagmittag müssen sie einen Bogen machen, um auf den Famila-Parkplatz auf der anderen Straßenseite zu gelangen.
Gegen 7.30 Uhr brach auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein gusseisernes Rohr mit einem Durchmesser von 300 Millimetern auf einer Länge von zwei Metern unter dem Scheideweg. „Das ist schon ein größerer Schaden“, meint Morell Predoehl, Prokurist bei der VWG, die in Oldenburg für die Wasserversorgung zuständig ist. Die Fahrbahn und Teile des Gehwegs platzten auf, Wasser sprudelte aus dem Loch und spülte den Sand unter der Fahrbahn weg.
„Das war ein richtiger Fluss hier“, sagt Karl Schelling. Der 79-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer und trinkt Kaffee – das Wasser hatte er noch im Wasserkocher, bevor der Hahn zugedreht wurde. Direkt vor seinem Haus frisst sich mit Höllenlärm eine Fräse durch die Fahrbahndecke. „Die Steine vom Gehweg kamen hoch und sausten über die Straße“, sagt Schelling.
Inzwischen sind die Steine wieder eingesammelt, die Straße ist trocken. Dafür lag am Mittag zentimeterdick Sand auf dem Scheideweg. Autos fuhren trotzdem, aber nur auf einer Straßenseite. Das wird auch vorerst so bleiben. Ein Teil des Drecks ist am Dienstag beseitigt worden, bis die Straße wieder komplett befahrbar ist, dauert es noch einige Tage, meint Predoehl. Autos und die Busse der VWG könnten aber die Baustelle passieren.
Über das abgestellte Wasser ärgert sich Schelling nicht. „So etwas ist höhere Gewalt.“ Seine komplette Nachbarschaft – vom Eßkamp bis zum Hackenweg – saß am Dienstag auf dem Trockenen. Etwa 30 Haushalte, sagt Predoehl – und der Famila-Markt. Der VWG-Prokurist schätzt, dass das Rohr aus Altersgründen nachgegeben habe. Heute würden statt gusseiserner Rohre welche aus Plastik verbaut.
Auch im Famila-Markt am Scheideweg war plötzlich das Wasser weg. „Eine halbe Stunde später war es aber wieder da“, sagt Marktmanager Uwe Dahlmann. Kurzzeitig wurde der Supermarkt notversorgt. Später drehten die Arbeiter das Wasser wieder für einige Stunden ab. Am Abend wurde zuerst Famila wieder angeschlossen, bis 22 Uhr hatte auch der letzte Haushalt wieder fließendes Wasser. Obwohl die Rohre durchgespült werden, könne eine Trübung auftreten, meint er. Diese sei aber ungefährlich. „Einfach das Wasser etwas laufen lassen“, empfiehlt Predoehl.
