Wardenburg - Wo man im Straßenverkehr auch hinschaut, in Wardenburg dominiert eindeutig das „OL“ auf den Autoschildern. Kein Wunder, schließlich fahren alle Landkreisbewohner mit den gleichen zwei Buchstaben wie die Städter durch die Gegend. Einziges Unterscheidungsmerkmal: Wer in der kreisfreien Stadt gemeldet ist, bekommt zwei zusätzliche Buchstaben und drei Ziffern spendiert, die Menschen auf dem Land müssen sich üblicherweise mit einem Buchstaben und vier Ziffern begnügen.
Das könnte alles bald ganz anders werden, sollten die Pläne des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU) tatsächlich Realität werden. Er möchte allen Städten und Gemeinden die Freiheit geben, eigene Autokennzeichen zu wählen. Die Wardenburger hätten also die Chance, sich sowohl von Oldenburg als auch der ungeliebten Kreisstadt Wildeshausen ein klein wenig zu distanzieren.
Aus WBU wird WBURG
Die Gemeinde müsste sich allerdings gegen Konkurrenz durchsetzen. WB ist schon weg (Landkreis Wittenberg, seit 1991), das gleiche gilt fürs WA (Landkreis Waldeck-Frankenberg). Also lieber drei Buchstaben: WAR liegt auf der Hand, und den Kreis Warburg gibt’s seit 1975 auch nicht mehr. Allerdings hat dessen Kennzeichen der Kreis Höxter geerbt, in dem Warburg aufgegangen ist. Wie wäre es also mit WBU, das sich wunderbar zu „WBU-RG“ ergänzen ließe? Waldemar Felker vom Schilderdienst Tönjes lässt sich nicht lange bitten und druckt am Mittwochvormittag für die NWZ zwischen zwei Aufträgen schnell diese Variante. „Eine Super-Idee“, findet der Wardenburger Wolfgang Peters (45), der gerade hereinschaut. „Besser kann man seine Verbundenheit mit dem Ort doch gar nicht ausdrücken.“ Nicht ganz so euphorisch hört sich der Kommentar von Edgar Ruhm (56) an, aber der ist ja auch Stadt Oldenburger. „Wichtig ist, dass in der ganzen Sache eine Ordnung drin steckt. Die Herkunft muss identifizierbar bleiben“, gibt er zu bedenken.
Im Zeitalter des Computers, wo Kennzeichen in Sekundenschnelle abrufbar sind, sei das alles kein Problem, meint Bernd Bruns. „Das ist allerdings meine Privatmeinung“, betont Wardenburgs Polizeichef. Er weiß, dass es unter den Ordnungshütern auch ganz andere Positionen gibt. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat die Idee sogar als „Klamauk-Politik“ kritisiert.
Identifikationssymbol
Es gibt wichtigere Probleme in der Politik als neue Schilder, meint Oliver Bremer. Er glaube auch nicht, dass sie tatsächlich kommen werden. „Aber wenn, dann sollte Wardenburg auf jeden Fall die Chance nutzen, sie sich als Identifikationssymbol zu sichern“, legt sich der Sprecher des Gemeinde Wardenburg Marketing Forum fest.
