WECHLOY - Kinder und Betreuer gehen auf Augenhöhe miteinander um. Ab Sommer auch Zweijährige.
Von Thorsten Kuchta
WECHLOY - Junges Leben in einem der ältesten Bauernhäuser Wechloys: 77 Kinder in vier Gruppen bevölkern am Küpkersweg ein Rotsteinhaus mit 560 Quadratmetern Nutzfläche, den 1200 Quadratmeter großen Gärten und tollen durch die 80 Quadratmeter große Diele.So viel Platz gibt‘s selten – und so viel Geschichte auch: Der Verein Studentenselbsthilfe-Kindergarten, der die Einrichtung am Küpkersweg betreibt, besteht schon seit 1967. „Die älteste Selbsthilfeeinrichtung Oldenburgs in der Kinderbetreuung“, wie Peter Jacobs stolz erzählt.
Er führt als Geschäftsführer gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden Karl-Heinz Raschke und dessen Stellvertreter Dr. Manfred Fornfeist den Verein – und der hat ein klares Konzept. „Wir nehmen die Kinder, wie sie sind, und formen daraus eine Gruppe – nicht umgekehrt“, sagt Karl-Heinz Raschke, der auch im Kindergarten arbeitet. „Auf Augenhöhe“ werde mit den Kindern umgegangen. Ein Beispiel: „Wenn ein Kind in den Werkraum will, dann kann es das. Bei uns heißt es nicht: Werken ist donnerstags.“
Mit diesen Grundsätzen fußt der Verein auf den Traditionen, die 1967 in bewegter Zeit entstanden. Demokratie in der Erziehung war damals hehrer Grundsatz nach den autoritären Nachkriegsjahren der Republik. Im Grunde war auch die Vereinsgründung eine Folge politischer Veränderungen: „Der zweite Bildungsweg wurde geöffnet, und damit wurden auch Eltern und Verheiratete Studenten an der damaligen Pädagogischen Hochschule“, berichtet Jacobs. Deren Wunsch nach Kinderbetreuung war Zündfunke für den Verein.
Geblieben ist u.a. die Internationalität: Anfangs waren viele Chilenen im Verein, die vor Pinochet ins Exil gegangen waren, heute kommen Kinder aus China oder Japan. „Wir stehen für Integration – nicht nur sprachlich.“ Dafür steht auch, dass am Küpkersweg eine der ersten Gruppen Oldenburgs entstand, in denen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam betreut werden. Auch eine schwer behinderte Betreuerin wird vom Verein beschäftigt. Zudem steht die Kindertagesstätte die längst nicht mehr nur von Studenten- und Dozentenkindern besucht wird, in engem Kontakt mit der Uni – u.a. was Mathematikfragen angeht. Pisa lässt grüßen.
Die Eltern werden eng in die Arbeit eingebunden. Ein Elternteil oder Erziehungsberechtigter muss Mitglied imTrägerverein werden – was einen engen Draht bedeutet. Da werden auch Wünsche angemeldet, denen der Verein folgt: Etwa jener, der im Sommer in Erfüllung geht: Die Nachmittagsgruppe wird dann auch Zweijährige aufnehmen.
„Altersübergreifend sind unsere Gruppen schon immer“, sagt Raschke, „aber das mit den Zweijährigen ist neu.“
