Papenburg/Berlin - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich enttäuscht gezeigt von der Absicht der Meyer Werft, den Sitz der Holding von Rostock nach Luxemburg zu verlegen. „Diese Entscheidung ist nicht klug und wirft viele Fragen auf“, sagte Weil am Montag vor Journalisten in Berlin. Schließlich gehe es auch um das Verhältnis von Unternehmen und Arbeitnehmerschaft.
Gerade in der jüngsten Vergangenheit seien Politik und Region der Meyer Werft in Papenburg bei der Formulierung des Masterplans Ems weit entgegengekommen. „Das bisherige gute Miteinander hat der Werft sehr genutzt“, erinnert Weil an eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Am Wochenende war bekanntgeworden, dass Meyer den Sitz des Mutterunternehmens, der Meyer Neptun GmbH, von Rostock nach Luxemburg verlegen und dort den zentralen Einkauf für die Standorte in Papenburg, Rostock und dem finnischen Turku bündeln will. Luxemburg sei gewählt worden, weil man so die nach deutschem Recht notwendige Einrichtung eines Aufsichtsrates umgehen könne, sagte Werft-Sprecher Günther Kolbe. Bei den jüngsten erfolgreichen Verhandlungen um Neuaufträge wäre nach Ansicht der Geschäftsführung ein Aufsichtsrat „extrem hinderlich“ gewesen.
Zugleich bekräftigte Kolbe, dass weder an den bestehenden Standorten noch am bis 2030 geltenden Standortsicherungsvertrag zwischen Land Niedersachsen, Werft, IG Metall und Betriebsrat gerüttelt werde. „Auch die Steuern werden wie bisher weiterhin in Papenburg, Rostock und Turku bezahlt“, sagte er.
Der Betriebsrat zeigte sich dennoch besorgt und monierte auch die Art und Weise der Bekanntmachung. Es habe im Vorfeld keine Signale der Geschäftsführung gegeben, einen solchen Schritt zu planen, sagte Betriebsratschef Ibrahim Ergin. „Dass wir das so kurzfristig erfahren haben, das ist kein vernünftiger Umgang miteinander.“
„Die Ankündigung hat uns völlig überrascht“, sagte auch sein Stellvertreter Günter Geerdes. Nach seinen Angaben habe der Betriebsrat einen Katalog mit sechs Kernfragen zu den Umzugsplänen erarbeitet, den die Geschäftsführung „zeitnah“ beantworten solle.
