San Francisco/Santa Clara - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und sein Innenminister Boris Pistorius haben am Freitag (18.15 Uhr deutscher Zeit) die Golden Gate Bridge in San Francisco besucht. Der Abstecher zum Wahrzeichen der kalifornischen Metropole diente am Ende ihrer Delegationsreise nach Amerika aber nicht nur als Fotomotiv. Die zwei SPD-Politiker tauschen sich dort mit den lokalen Behörden an der Brücke aus über Themen wie Sicherheit, Maut und Unterhaltungskosten.

In der Nacht zum Samstag deutscher Zeit geht es dann zurück in die Heimat. Weil und Pistorius hatten auf ihrer Tour – begleitet von rund 50 Mitreisenden aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – zunächst in Mexiko Station gemacht und waren dann nach Kalifornien geflogen.

Dort standen im legendären Silicon Valley die Themen Digitalisierung, der Kampf gegen Cyber-Kriminalität und Perspektiven einer vernetzten Gesellschaft auf dem Programm. Die Delegation besuchte unter anderem den Elektroautopionier Tesla und das soziale Netzwerk Facebook.

Viele der größten Firmen aus dem Valley erwuchsen aus dem Umfeld der Universitäten dort. Sie benötigten nur Jahre zur Weltspitze. Die Geschäftsmodelle der Valley-Größen basieren auch auf Innovationen, doch die generieren nicht nur mit neuen Produkten neue Märkte, sondern lassen parallel bestehende wegbrechen. „Desruptiv“ heißt das im Branchensprech – also zerstörend, unterbrechend. Und dort im Valley ist die Zentrale, das Epizentrum dieser neuen Spielregeln.

Uber attackiert die Taxiwelt, Airbnb die der klassischen Hotelketten. Alten Riesen wie etwa dem Handyhersteller Nokia wurde im Valley das Grab gegraben – denn natürlich stammt auch Apples iPhone von dort. Warum gedeiht so etwas im Valley? Warum nicht in Berlin oder Tokio? Auch fern der USA gibt es schließlich exzellente Unis, Geldgeber für Wagniskapital und erfahrene Mentoren.


Was genau macht also den Unterschied? „Das Silicon Valley ist eher kein bestimmtes Areal auf der Landkarte, sondern eine bestimmte Denkweise und Mentalität“, sagt Chuhee Lee, der bei Volkswagen im Valley an der Mobilität von morgen forscht. Und auch er sagt: „Ohne aus Scheitern schon einmal schlau geworden zu sein, wird man hier eigentlich nicht so richtig ernst genommen.“

Rene van den Hoevel meint: „Hier geht halt alles ein bisschen schneller.“ Unternehmen wie Volkswagen erheben daher schon längst den Geist des Valley zur Maxime. „Wir brauchen ein Stück mehr Silicon Valley“, forderte VW-Konzernchef Matthias Müller Ende 2015. Die Stanford-Uni hat übrigens einen Spitznamen: „The Farm“. Und man darf getrost annehmen, dass dort weiter kräftig geerntet wird.