Berlin - Trotz weltweiter Risiken legt die deutsche Wirtschaft seit fünf Jahren einen moderaten, aber stabilen Aufschwung hin. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das laufende Jahr ein Plus von 1,5 Prozent. Für 2018 gehen sie dann von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus, hieß es am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Gemeinschaftsprognose im Frühjahr 2017. Die 1,5 Prozent in diesem Jahr seien auch darauf zurückzuführen, dass es 2017 mehr Feiertage gebe, etwa den Reformationstag.
Das stabile Wachstum wirkt sich wiederum positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosenquote dürfte nach Einschätzung der Institute weiter sinken, von 6,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,7 Prozent in diesem und 5,4 Prozent im nächsten Jahr. Die Steigerung der tariflichen Löhne sehen die Forscher in den nächsten Jahren bei durchschnittlich drei Prozent. Das gebe die Wirtschaft durchaus her, hieß es.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) rechnete zuletzt in diesem und im nächsten Jahr mit insgesamt rund einer Million zusätzlicher Arbeitsplätze. Aufgrund der nach und nach auf den Arbeitsmarkt kommenden Flüchtlinge, die dann generell langsamer in Arbeit kommen als die einheimische Bevölkerung, werde die Arbeitslosenquote aber langsamer sinken als sich die Beschäftigung aufbaue, hieß es.
Der Politik schrieben die Forscher ins Stammbuch, die Ausgaben- und Steuerlast der Bürger zu senken oder zumindest zu begrenzen. Durch die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt etwa sei die Arbeitslosenversicherung gut ausgestattet, so dass hier ein Absenken der Beiträge zu erwägen sei. Bei den unteren und mittleren Einkommen sollten steuerliche Erleichterungen angepeilt werden.
Ökonomen kritisierten die Rentenpolitik – insbesondere die Rente mit 63 und die Mütterrente. Angesichts der demografischen Entwicklung werde sie spätestens 2020 zur Belastung. Die Parteien sollten sich ernsthaft fragen, welche Projekte sie angehen können, ohne die staatlichen Finanzen zu überstrapazieren, hieß es – offensichtlich mit Blick auf den beginnenden Wahlkampf. Überschüsse solle die Politik grundsätzlich verwenden, um langfristig die Wirtschaft zu stärken.
Die Verbraucherpreise sollen nach der Prognose deutlicher zulegen. Im vergangenen Jahr lag der Anstieg im Schnitt bei 0,5 Prozent, in diesem dürfte er bei 1,8 Prozent liegen und 2018 bei 1,7 Prozent, sagten die Institute voraus.
Für den Euro-Raum erwarten die Forscher keine Zinserhöhung in diesem und im nächsten Jahr. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) könne die Wirtschaft also etwas stärker stimulieren, als sich dies in der Prognose der Institute zeige, hieß es. Die Europäische Zentralbank solle aber jetzt den Ausstieg aus der bisherigen Geldpolitik – Nullzinsen, Anleihekäufe – einleiten.
Weltweit lege die Konjunktur in den großen Volkswirtschaften – USA, Europa, China und Japan – zwar zu. Allerdings sorge die Politik der neuen US-Regierung unter anderem mit ihrem protektionistischen Grundtenor für eine Verunsicherung. Die könnte die wirtschaftliche Entwicklung möglicherweise belasten, hieß es.
