Bösel/Burglehn - Das Moorgut Kartzfehn in Bösel ist erneut von der Geflügelpest betroffen: Der Virus H5N8 wurde in der Elterntierhaltung in Burglehn in der Nähe von Lübben in Brandenburg diagnostiziert.Jetzt müssten 45.000 Tiere getötet werden, teilte das dortige Verbraucherschutzministerium am Mittwoch mit.
Das Moorgut ist seit 60 Jahren in der Putenmast tätig. Es betreibt große Brütereien mit mehr als 20 Millionen Putenküken pro Jahr in Neuenkruge (Kreis Ammerland) und in Bösel (Kreis Cloppenburg). Bisher waren die Kartzfehner nur indirekt von der Vogelgrippe betroffen. Die betroffenen Ställe in Harkebrügge und im aktuellen Fall in Bösel/Tegelkamp waren schon vor rund 20 Jahren verkauft worden. Im Zuge der Garreler Geflügelpestfälle gehörte das Moorgut am Rande des Vehnemoors zwar zum Zehn-Kilometer-Beobachtungsgebiet, blieb aber auch nach dem dritten Pestfall in Nikolausdorf äußerst knapp von den Restriktionen des Sperrgebietes verschont. Die nicht genehmigten Wiedereinstallungen in einem Umkreis von fünf Kilometern um die Geflügelpestfälle – immerhin allein im Kreis Cloppenburg für 57 putenhaltende Betriebe mit 750 000 Tieren – machten zwar Probleme, weil die geschlüpften Küken umdisponiert werden mussten – aber das geringste Problem.
Zudem hatten die Kartzfehner mehr Glück als die anderen Brütereien. In Niedersachsen werden 42 der 52 Millionen deutsche Putenküken ausgebrütet. Anders als RWS – mit Beteiligung durch die PHW-Gruppe –, Geestland in Ahlhorn oder die für Heidemark arbeitende Brüterei Thole in Bösel haben die Kartzfehner mit Neuenkruge einen Alternativstandort.
Und von dort können ohne Probleme die sperrigen Auslandsmärkte und ganz besonders die polnischen Putenmäster beliefert werden. Die niedersächsischen Putenzahlen – vier Millionen Hähne und eine Million Hennen – zeigen, dass hierzulande männliche Tiere wegen ihrer Fleisch- und Brustpartien begehrter sind, während in Polen vornehmlich Hennen gemästet werden.
Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Leiter des Cloppenburger Veterinäramtes, bestätigte am Donnerstag gegenüber der NWZ die hochpathogene Art des Virus: H5N8. Und für die Böseler Brüterei Thole an der Jägerstraße hatte er eine besonders schwerwiegende – und schlimme – Nachricht: Die Brüterei liegt im Sperrgebiet. Jetzt gelten auch für den Inlandsmarkt besondere Restriktionen, die beim Verplomben der Kükenfracht beginnen.
Für Kartzfehn sei der erneute Vogelgrippefall in einem Elterntierbetrieb ein „schwerer Schlag“, sagte Pressesprecher Thorsten Mahlstedt. Drei Herden mit insgesamt 45 000 Puten müssen getötet werden. Die 18 Ställe in drei Einheiten werden komplett geräumt und gesäubert. Eine Woche haben Belegschaft und große Kartzfehner Abordnung sich dafür Zeit genommen. Dann kann der Stall einen Monat nicht genutzt werden. „Bis zum 1. März wird hier kein Ei gelegt werden können“, meinte Mahlstedt. „Das ist schon ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden“, meint Thorsten Mahlstedt im ersten Überblick.
