Friesoythe - Dunkle Holztöne, offen liegende Rohre – zwischen Vintage-Look, Jugendstil, Charme der 20er Jahre und Industrial-Style könnte man Samet Aktas’ neuen Laden irgendwo grob einordnen. Doch in diesem Salon ist nichts gewöhnlich – alles aus Handarbeit selbst gemacht. „Frisör nenn ich mich erst gar nicht – ich bin Barbier“, sagt Geschäftsführer Samet. Das zeigt schon der Name: „Sam’s Barber Shop“ öffnet am Dienstag, 20. Dezember, an der Friesoyther Kirchstraße.
„Noch ein Frisör in Friesoythe?“ wird sich jetzt der ein oder andere Leser fragen. Doch Samet hat eine Antwort parat: „Ja, noch ein Frisör, aber ein ganz besonderer. Bei uns gibt es Wellness – nur für den Mann“, sagt der 27-Jährige. Wellness heißt: Neben Haarschnitt, Rasur und Wäsche gibt es auch Gesichtsmassagen und Haarentfernung – „ein Rund-um-Wohlfühlpaket für den Kopf“, sagt Samet. Doch er plant mehr: „Ich warte zwar noch auf die Ausschankgenehmigung, aber Männer sollen bei uns auch mit Bier und Whiskey bewirtet werden.“ In den Abendstunden soll es möglich sein, dass man sich eine Zigarre beim Haarschnitt anzünden darf. „Mir ist es wichtig, dass sich der Mann bei uns wohlfühlt und Alltagsstress hinter sich lässt“, sagt Samet.
Hinter ihm steht sein Bruder Yusuf. Er ist Inhaber des neuen Ladens und betreibt bereits seit 2012 einen Barber-Shop in Garrel. Beide stammen aus der Türkei, sind jedoch in Petersdorf geboren und aufgewachsen. Für Yusuf war es schon immer ein Traum, Barbier zu werden. Samet dachte erst gar nicht daran.
„Ich hab ganz normal meine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht und war auch erstmal ganz zufrieden.“ Nachdem sein Bruder aber das Geschäft in Garrel eröffnet hatte, arbeitete Samet zwischendurch dort öfter als Aushilfe. „Irgendwie bin ich dann auf den Geschmack gekommen. Ich wollte es selber machen“. Doch die Ausbildung zum klassischen Barbier gibt es in Deutschland nicht. Genau wie sein Bruder machte sich Samet auf den Weg in die Türkei, um den Umgang mit Kamm und Schere auf orientalische Weise zu erlernen.
Jetzt hat er seinen eigenen Laden. Zusammen mit einem Flüchtling aus Syrien, der sein Handwerk in der Heimat gelernt hat, will er Friesoyther Männern und Jungen nun gehörig den Kopf waschen.
