Ganderkesee - Endlich ist er da: der Sommer. Für viele war das Wetter der vergangenen Wochen zu kühl und vor allem zu regnerisch. Schuld an den dicken Wolken über Ganderkesee waren Tinke, Ursula und Viktoria: Die Tiefdruckgebiete, die in der vorigen Woche der Bundesrepublik wechselhaftes Sommerwetter bescherten. Doch wo es Verlierer gibt, muss es auch Gewinner geben. Wem also schmeckt dieser Sommer?
Kurzfristige Reisen
Wenn, wie in der vergangenen Woche, dicke Regentropfen auf die Gehwege klatschen, freut sich Angelika Römer. Sie selbst hätte nach eigener Aussage zwar lieber Sonnenschein von „Mai bis September“, ihrem Geschäft kommt ein mit Wolken verhangener Himmel jedoch gerade Recht. „Uns geht es wunderbar mit dem Wetter“, sagt die Besitzerin des Reisebüros am Markt in Ganderkesee.
Über die wiedergekehrte Sonne beschwert sie sich jedoch auch nicht: „Es ist bereits alles sehr gut ausgebucht.“ Sogenannte Last-Minute-Angebote gebe es nicht mehr. „Teilweise zahlt man für einen kurzfristig gebuchten Urlaub sogar mehr“, so Römer. Trotzdem könne sie noch Reisen vermitteln: „Irgendetwas geht immer.“
Zufrieden mit dem wechselhaften Sommerwetter ist auch Sabine Kämena von Müllers Wurstdiele. „Wirklich schlimm wäre es nur, wenn drei Wochen am Stück 30 Grad wären – der absolute Albtraum. Dann isst keiner mehr Fleisch“, sagt sie. Die Bestellungen für Feiern und Veranstaltungen seien sowieso da, ist das Wetter so wie jetzt besser, kommen auch die „Spontan-Griller“. Lädt das Klima durchgehend zum Grillen ein, hätten die Kunden irgendwann keine Lust mehr auf Würstchen vom Rost.
Die klassischen Verlierer bei niedrigen Temperaturen sind die Freibäder – sollte man zumindest denken. „Ganz klar: Bisher gab es keinen richtigen Sommer“, sagt Edgar Sauer, Betriebsleiter der Aquapark Management GmbH, zuständig für Freibad und Saunahuus. Grundsätzlich sei man allerdings zufrieden, die Besucherzahlen des Vorjahres wurden erreicht. „Das Konzept Sauna und Freibad greift“, so Sauer. Je nach Wetterlage gingen die Leute entweder baden oder schwitzen. Sauer hofft dennoch auf ein bisschen mehr Sonne. „Das wäre gut für uns.“ Bleibt es so wie jetzt, dürfte das Bad an Besuchern zulegen.
Keine Laufkundschaft
Auch Noelle Haddad dürfte sich in den vergangenen Tagen beim Blick auf ihr Thermometer gefreut haben. „Ich will mich generell nicht beschweren. Es läuft eigentlich ganz gut, aber es könnte viel besser sein“, sagt sie. Seit mehr als zwölf Jahren verkauft Haddad Eis in Ganderkesee. Zuerst in der Mühlenstraße, jetzt in der Bergedorfer Straße. Wechselhaftes Wetter schadet ihrem Geschäft.
„Ich dachte, schon der letzte Sommer wäre schlecht gewesen, aber dieser ist noch schlimmer.“ An den wenigen warmen Tagen sei der Laden voll gewesen, an Pfingsten habe sie ein Rekordergebnis verzeichnet, so Haddad. „Wer Eis essen will, der kommt zu mir“, sagt sie. Bei schlechter Witterung blieben jedoch selbst die Stammkunden weg. Laufkundschaft gibt es an der Bergedorfer Straße wenig, bei Regen verirrt sich fast niemand spontan in die Eisdiele. „Die schönen Tage konnte man fast an einer Hand abzählen“, so Haddad. Umso besser für sie, dass er jetzt doch noch da ist: der Sommer.
