Wemkendorf - So etwas hat Landwirt Gerd Wemken aus Wemkendorf in seinem gesamten Berufsleben noch nicht erlebt. „Seit Ende September 2017 hatten wir praktisch keine 48 Stunden ohne Regenschauer mehr“, erzählt der 70-Jährige. Die Böden auch vieler seiner Flächen, auf denen er als Milchviehhalter die Gülle seiner Tiere ausbringen muss, sind seit Monaten derart durchnässt, dass sie praktisch nicht befahrbar sind. Seit 15. Januar dürfen die Landwirte mit einer Sondergenehmigung der Landwirtschaftskammer aufgrund der extremen Lage bereits 14 Tage früher als sonst Gülle wieder ausbringen – wenn sie denn trockene Flächen haben. „Heute morgen sind wir aber gleich wieder steckengeblieben, mussten den Trecker mit einem Bagger wieder rausziehen“, erzählt Sohn Frank.

Normalerweise dürfen Landwirte in der Zeit vom 15. Oktober bis zum 1. Februar keine Gülle fahren, erzählt Gerd Wemken. In dieser Zeit nehmen die Pflanzen keine Nährstoffe aus der Gülle auf. Die Folge: Sie würden mit dem Regenwasser ins Grundwasser gelangen, wo sie nicht hin sollen. Zudem würden die durchtränkten Böden – oder auch vereiste Böden – die Gülle nicht aufnehmen: Sie könnte in die Gräben gespült werden. Am kommenden Donnerstag, 1. Februar, ist die Winterpause vorbei. Gerd Wemken zeigt auf eine seiner Grünflächen. Dort wächst das Gras durch die warme Witterung bereits wieder, die Pflanzen können dort also Nährstoffe wieder aufnehmen.

Der ständige Regen hat auch dazu geführt, dass im Bereich Wemkendorf lediglich ein Drittel der sonst üblichen Wintergetreide-Menge – beispielsweise Wintergerste, Weizen und Roggen – eingesät werden konnte. „Das muss im Frühjahr mit Sommergetreide ausgeglichen werden“, sehen die Wemkens Mehrarbeit für Landwirte voraus. Viele auf den Grünflächen verbliebene Silo-Rundballen, die überall auch im Ammerland zu sehen sind, zeigen ebenso, dass die Landwirte im Herbst wegen der nassen Böden nicht mehr auf ihre Flächen kamen.

Die Güllelager sind aus demselben Grund randvoll, gerade mal für zehn Tage reichen die derzeitigen Kapazitäten bei Wemkens. Auch die Lager konnten im Herbst wegen der feuchten Böden nicht wie sonst vollständig geleert werden. Und die Gülleproduktion geht in den Ställen täglich munter weiter. Mehr als 300 Milchkühe stehen in den Ställen der Wemkens, zudem produziert die weibliche Nachzucht – bis zu 400 Tiere – ebenfalls Gülle. Jede Kuh sorgt im Jahr etwa für 28 bis 30 Kubikmeter Ausscheidungen, die Wemkens verfügen nach eigenem Bekunden über Lagerkapazitäten von etwa 8000 Kubikmetern – direkt unter den Ställen und in Silos.

„Wir sind hier mit unseren sandigen Böden noch gut dran,“ macht Gerd Wemken deutlich, dass die Situation in der Wesermarsch oder in der Nachbargemeinde Rastede etwa in Delfshausen mit seinen Moorböden noch schlimmer ist. Dennoch: Mit der „Hackenprobe“ zeigt der Landwirt, wie feucht die Flächen teils noch sind. Er drückt die Hacke seines Gummstiefel-bewehrten Fußes in den Acker. Wenn der Boden beim Rausziehen am Stiefel saugt, dann ist’s zu feucht für Trecker und Co. „Hier geht nichts“, zieht Wemken denn auch Bilanz. Auch er hofft nun, dass die Böden mal abtrocknen können. „Dafür wäre viel Sonne, aber auch Frost gut“, sagt  Wemken: „Auch Frost trocknet die Böden aus.“