WEMKENDORF - Vor nunmehr 80 Jahren, am 28. März 1930, verstarb in Wemkendorf der Schuhmachermeister und Landwirt Gerhard Osterloh in seinem 102. Lebensjahr – in einer Zeit, in der die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich niedriger war. Sie lag um 1900 für Männer bei 46,4 und für Frauen bei 52,3 Jahren. Zwei Jahre zuvor, im September 1928, hatte der gebürtige Bokeler seinen 100. Geburtstag „bei völliger geistiger Klarheit und körperlicher Frische“, wie es damals in zahlreichen Veröffentlichungen zu dem Ereignis hieß, feiern können. Ein seinerzeit folglich noch sehr seltenes Jubiläum, das sogar in Berlin zur Kenntnis genommen worden war und zu einem vom damaligen Reichspräsidenten Hindenburg persönlich unterzeichneten Glückwunsch führte. Herzliche Glückwünsche erhielt der Jubilar aber auch mit einem persönlichen Schreiben des Großherzogs Friedrich August vom Rasteder Schloss. Die Schriftstücke befinden sich heute im Besitz seines Ur-Urenkels Gerd Kuck, der ebenfalls in Wemkendorf lebt.
Bereits 1927 hatte Gerhard Osterloh dem Reichspräsidenten Hindenburg zu dessen 80. Geburtstag gratuliert und ihm gewünscht, dass er so alt werden möge wie er. Worauf dieser sich mit einem persönlichen Foto bedankt hatte.
Geboren wurde der Schuster und Landwirt am 20. September 1828 als drittes von acht Kindern des Schullehrers Heinke Osterloh in Bokel. Seine Mutter Gesche Margarete entstammte der dortigen alteingesessenen Bruns-Familie.
Am 7. Mai 1858 heiratete Gerhard Osterloh Helene Catarine Gertje aus Wiefelstede. Die Eheleute ließen sich in Wemkendorf nieder und bekamen drei Söhne, von denen der jüngste aber schon kurz nach der Geburt starb.
Den allergrößten Teil seines langen Lebens hat der Handwerker und Landmann sicherlich auf seinem Hof in Wemkendorf zugebracht. Dass er hin und wieder auch in Oldenburg weilte, belegt eine im Familienarchiv erhaltene „Polizeiliche Strafverfügung“, die im September 1883 bei ihm eintraf. Darin wurde er mit einer Geldstrafe von 2 Mark belegt, weil er einige Tage zuvor „mit einer Schubkarre auf dem Trottoir der Heiligengeiststraße gefahren war“. Offenbar hatte er landwirtschaftliche Erzeugnisse in die Residenzstadt geliefert.
Die seinerzeit vielfach an ihn gerichtete Frage nach dem Geheimnis seines Altwerdens beantwortete Gerhard Osterloh mit den drei Regeln
1. Flietig ine Arbeit
2. Mäßig in Eten un Drinken
3. Wat een nich bekummt, mööt man laten.
Als eifriger Zeitungsleser nahm er bis ins hohe Alter regen Anteil vor allem auch an dem technischen Fortschritt seiner Zeit. So freute er sich sehr darüber, im Jahr 1929 noch an einer längeren Autofahrt teilnehmen zu können. Und mit seiner Vision „De Minschen fleegt nochmal na n Maand hen“ (Die Menschen fliegen noch Mal zum Mond) sollte er ja recht behalten.
Nach einem wahrlich erfüllten Leben fand er seine letzte Ruhe in einer Grabstätte auf dem Wiefelsteder Friedhof, die er bereits 1880 einem Landwirt aus Hollen für 30 Reichstaler abgekauft hatte, wie dem Kirchenarchiv zu entnehmen ist.
erhalten Menschen, die 100 Jahre alt werden, ein Schreiben vom Bundespräsidenten – wenn die Kommune dies meldet. Das Bundesverwaltungsamt ist für die Glückwünsche zum 100. zuständig. Derzeit wird der Glückwunsch natürlich mit der Unterschrift von Bundespräsident Horst Köhler verschickt. Den nächsten Glückwunsch gibt es dann erst wieder zum 105. Geburtstag. Auch anlässlich Eiserner Hochzeiten (65 Jahre) aufwärts ist ein Glückwunsch des Bundespräsidenten fällig – sofern gewünscht natürlich. Der Landkreis Ammerland gratuliert ebenfalls zu denselben Konditionen. Und da kommt zum 100. oder zum 105. auch der Landrat oder sein Stellvertreter vorbei – falls gewünscht. Auf kleinerer Verwaltungsebene beginnen die Glückwünsche früher. Die Gemeinde Wiefelstede etwa gratuliert persönlich bereits ab der Goldenen Hochzeit (50 Jahre) oder ab dem 90. Geburtstag: Dann kommt auf Wunsch auch der Bürgermeister oder sein Vertreter vorbei.
