Hamburg - Die Öl- und Gasförderer in Deutschland setzen sich weiter für die umstrittene Fracking-Technik zur Erschließung neuer Lagerstätten ein. Die Öl- und Gasvorkommen hierzulande gingen zunehmend zur Neige, sagte Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), am Donnerstag in Hamburg. Zusätzliche große Reserven seien vor allem in unkonventionellen Lagerstätten, etwa in Schiefergestein, zu erwarten, die mit Hilfe der Fracking-Technik erschlossen werden könnten.

„Es besteht kein Grund, Fracking zu verbieten“, sagte Kalkoffen und verwies auf mehrere Gutachten. Er betonte, dass es sich bei der umstrittenen Methode, bei der ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch in den Boden eingepresst wird, um Gestein aufzubrechen, nicht um eine neue Technologie handle, sondern um eine seit Jahren etablierte, die nur auf etwas Neues angewendet werden soll. Den jüngst vorgelegten Entwurf der Bundesregierung zum Thema Fracking bezeichnete er als „richtigen Schritt in die richtige Richtung“.

Der Verband zeigte sich zuversichtlich, dass die Politik einen Rechtsrahmen schaffen werde, der eine umweltverträgliche Erdöl- und Erdgasförderung weiterhin ermögliche. „Eine verlässliche, bezahlbare und umweltgerechte Energieversorgung ist nur möglich, wenn sich die verschiedenen Energieträger noch besser ergänzen und die heimischen Ressourcen genutzt werden“, so der WEG-Vorsitzende. Sicherheit, Umwelt- und Wasserschutz hätten für die deutsche Förderindustrie höchste Priorität.

Kalkoffen mahnte zugleich eine Entemotionalisierung der Debatte an. Bilder etwa von brennenden Wasserhähnen aus den USA hätten Ängste geschürt. Dabei würden in Deutschland ganz andere Standards in Sachen Umwelt- und Wasserschutz angelegt als in den USA.

2012 ging die Erdgasproduktion in Deutschland nach WEG-Angaben um neun Prozent auf 10,8 Milliarden Kubikmeter zurück. 96 Prozent davon werden in Niedersachsen gefördert. Bei einem deutschen Gasverbrauch von 92 Milliarden Kubikmetern würden somit rund zwölf Prozent aus heimischen Quellen abgedeckt. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 20 Prozent. „Da können wir wieder hinkommen“, so Kalkoffen.


Die sicheren Reserven aus konventionellen Lagerstätten belaufen sich gegenwärtig jedoch nur noch auf 116 Milliarden Kubikmeter, plus 150 Milliarden Kubikmeter Potenzial. Ungleich größer sei das Potenzial in unkonventionellen Lagerstätten. So lagern in Kohleflözlagerstätten 450 Milliarden Kubikmeter Erdgas und in Schiefergaslagerstätten 700 bis 2300 Milliarden. Wie viel davon wirtschaftlich förderbar sein könnte, müsse jedoch noch erforscht werden.

Die deutsche Ölförderung ging leicht von 2,7 Millionen auf 2,6 Millionen Tonnen zurück. 53 Prozent stammten aus Schleswig-Holstein, 35 Prozent aus Niedersachsen.

Die deutschen Öl- und Gasförderer erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro und zahlten 879 Millionen Euro Förderabgaben, vor allem an Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die deutschen Förderer sind jedoch nicht nur im Inland aktiv. Im Ausland förderten sie 2012 rund 15,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas (2011: 14,9 Milliarden) und 8,7 Millionen Tonnen Erdöl (2011: 4,6 Millionen). Vor allem in Libyen sei die Produktion wieder hochgefahren worden.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft