Düsseldorf/Hannover - Trotz insgesamt weiter gesunkener Insolvenz-Zahlen sind im ersten Halbjahr 2016 wieder mehr als 100 000 Beschäftigte in Deutschland von der Pleite ihres Arbeitgebers betroffen gewesen. Während die Unternehmensinsolvenzen um 6,8 Prozent auf 10 750 Fälle zurückgingen, nahm die Zahl der Mitarbeiter, auf die sich dies direkt auswirkte, lediglich um 1,8 Prozent auf 110 000 ab, berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf.
Hinzugekommen sei noch eine hohe Zahl von Betroffenen in Zulieferfirmen, die jedoch nicht genau beziffert werden könne, sagte Creditreform-Sprecher Michael Bretz. Auch die Höhe der durch nicht beglichene Forderungen angerichteten Insolvenzschäden sei mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres geblieben.
Bei in der Summe 60 500 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2016 ergab sich ein Rückgang um 5,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Zu den Unternehmensinsolvenzen kamen noch 38 250 sogenannte Verbraucherinsolvenzen (minus 5,1 Prozent) und 11 500 sonstige Insolvenzen etwa von ehemals Selbstständigen oder Vereinen.
Nach dem Brexit-Votum rechnet Creditreform nicht mit einem nennenswerten Anstieg der Firmenpleiten. Der seit Jahren zu beobachtende Rückgang der Insolvenzen werde sich jedoch wohl nicht im bisherigen Tempo fortsetzen, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht. Für das laufende Jahr rechnet Creditreform mit einer weiteren Abnahme der Insolvenzen von 127 570 Fällen im Jahr 2015 auf 120 000 bis 123 000 Pleiten.
Niedersachsen hat sich bei den Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr laut der Studie im bundesweiten Durchschnitt bewegt. Auf 10 000 Unternehmen zwischen Harz und Küste kamen in den ersten sechs Monaten rein rechnerisch 67 Insolvenzen.
Deutschlandweit sind es 66 Fälle gewesen. Der Stadtstaat Bremen jedoch rangiert mit 98 Fällen pro 10 000 Firmen an der Spitze der Aufstellung, gleichauf mit dem Saarland und dicht hinter Hamburg und Nordrhein-Westfalen (beide 99). Bestwerte verzeichneten die als wirtschaftsstark geltenden Länder Baden-Württemberg (37), Thüringen (42) und Bayern (45).
