Berlin - Der jahrzehntelange Anstieg beim Konsum von Tabletten gegen die ADHS-Störung ist neuen Erhebungen zufolge gestoppt. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ging der Verbrauch des zentralen Wirkstoffs gegen die ADHS-Störung 2013 erstmals seit 20 Jahren zurück. ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung.
Neue Daten der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen zudem, dass die Zahl der Kinder zwischen 6 und 17 Jahren, die Medikamente gegen ADHS bekommen haben, von 2009 bis 2012 bundesweit um gut 3,4 Prozent sank.
Das Bundesinstitut BfArM teilte in Bonn mit, dass im vergangenen Jahr 1803 Kilogramm des Ritalin-Wirkstoffs Methylphenidat verbraucht wurden. 2012 waren es noch 1839 Kilogramm. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch verdreifacht.
BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger betonte, es lasse sich noch keine echte Abwärtstendenz erkennen. „Gleichwohl werten wir diesen ersten leichten Rückgang nach dem massiven Anstieg der vergangenen 20 Jahre als ein positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet“, sagte er.
Laut einer Studie der Barmer GEK vom vergangenen Jahr hatten rund 620 000 Kinder und Jugendliche 2011 gemäß ärztlicher Diagnose eine ADHS-Störung, davon 472 000 Jungen. Zusammen mit Erwachsenen waren es insgesamt 750 000 Patienten. Besonders betroffen waren Jungen vor dem Wechsel aus der Grundschule. Verhaltenstherapie und Heilmittel wie etwa Ergotherapie sind neben einer medikamentösen Therapie Bestandteile der Behandlung.
