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Integration Wenn aus Fremden Freunde werden

Sonja Klanke

Bösel - „Germany“ steht auf seiner Schirmmütze. „Es gefällt mir hier und ich möchte bleiben“, sagt Ilir H.. Der 26-Jährige ist mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern vor einem Jahr aus Albanien nach Deutschland geflohen. Hals über Kopf habe er alle Sachen gepackt. Auslöser: Ein Streit zwischen Familien. „Wir hatten Angst um unser Leben“, erklärt Ilir H..

Von der Entscheidung, die Heimat zu verlassen, bis zur Abreise seien nur drei Tage vergangen. Nach 26 Stunden Autofahrt erreichte die Familie Duisburg. In der Erstaufnahmeeinrichtung sei es zu voll gewesen, erinnert sich der Albaner. Ein Landsmann bot ihnen deshalb einen Schlafplatz in seiner Wohnung an.

Schnell geholfen

Am nächsten Tag wurde die Familie ins rund 30 Kilometer entfernte Kerken verwiesen. Zwei Wochen später ging es mit einem Bus in die Erstaufnahmeeinrichtung im niedersächsischen Bramsche. „Da waren viele Leute in einem Raum“, erinnert sich Ilir H.. Die Stimmung sei sehr angespannt gewesen. Deshalb war er froh, dass seine Familie einen Tag später nach Bösel geschickt wurde. „Hier haben alle schnell geholfen“, sagt der 26-Jährige.

Zunächst habe die Gemeinde Bösel ihnen eine 50 Quadratmeter große Wohnung zugewiesen. Mittlerweile konnte die Gemeinde der Familie eine größere Wohnung zur Verfügung stellen.

Ilir H. hat bereits den Deutsch-Grundkursus des Bildungswerks im Böseler Pfarrheim besucht. Derzeit nimmt er am Fortgeschrittenen-Kursus teil. Der 26-Jährige hofft, dadurch schnell einen guten Job zu finden. In Albanien hat er als Assistent in einer Apotheke gearbeitet. Dafür hat er eine entsprechende Ausbildung absolviert. Die Arbeit in der Apotheke habe ihm viel Spaß gemacht. Hier würde er aber auch jeden anderen Job annehmen. Seine Frau ist Krankenschwester. Auch sie lerne fleißig die deutsche Sprache, sagt H.. Seine beiden Töchter, drei und fünf Jahre alt, gehen in den Kindergarten.


Nach Job gefragt

Aktuell wartet Ilir H. auf seine Arbeitszulassung. Dann könnte er voraussichtlich bei einer Firma in Bösel arbeiten und würde dann keine Zuwendungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz mehr beziehen. H. hatte sich in der Firma persönlich vorgestellt und nach einem Job gefragt.

Aktuell leistet er beim Bauhof der Gemeinde Bösel 20 Stunden gemeinnützige Arbeit pro Woche. Dafür erhält er 1,05 Euro pro Stunde. Freitags hilft er außerdem bei der Essensausgabe der Tafel.

„Die wollen alle gerne arbeiten“, berichtet Petra Sydow vom Sozialamt Bösel. Deshalb hat die Gemeinde die Schichten gut organisiert: Wenn die Teilnehmer des Sprach-Grundkurses lernen, arbeiten die Asylbewerber des Aufbaukurses und andersherum. 58 Flüchtlinge leben derzeit in der Gemeinde.

„Die Männer sind sehr engagiert“, lobt der Hausmeister der Oberschule, Hermann-Josef Jöring. „Daumen hoch.“ Der 34-Jährige koordiniert die Arbeit der gemeinnützigen Helfer auf dem Schulgelände. „Denen muss ich nicht viel sagen, die sehen die Arbeit“, ist der Hausmeister begeistert. Müsse er doch einmal Anweisungen geben, würden die Asylbewerber darauf bestehen, dass er Deutsch spreche. „Die wollen das ganz schnell lernen“, freut sich Jöring. Bei Missverständnissen, die es nur selten gebe, helfe der Google-Übersetzer. In den vergangenen Wochen hat sich laut Jöring ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. „Ich möchte das vorsichtig ausdrücken“, sagt Jöring, „aber das sind meine Freunde geworden.“

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