Rethorn - Den Begriff Schrankenwärter haben die meisten Menschen längst aus ihrem Wortschatz getilgt. Doch es gibt sie noch, wenn auch unter anderem Namen. Seit Wochen sind am Bahnübergang des Ziegelwegs in Rethorn sogenannte Bahnübergangsposten (BÜP) im Einsatz. Sie sorgen, wie in alten Zeiten, für das Öffnen und Schließen der Schranken.

Bereits im Oktober ist die Anlage ausgefallen, erklärt Egbert Meyer-Lovis, Sprecher des Regionalbüros Nord bei der Deutschen Bahn, auf NWZ -Anfrage. Seitdem stehen Bahnübergangsposten an der stark genutzten Bahntrasse Oldenburg-Bremen. Wären die Mitarbeiter der DB Fahrdienste GmbH dort nicht postiert, müssten die Lokführer stets am Ziegelweg anhalten und der Zug dürfte nur im Schritttempo den Übergang passieren. Unrealistisch, angesichts der Vielzahl der Züge.

An einem normalen Werktag passieren rund 180 Züge den Bahnübergang in Rethorn, verrät einer der Posten. 24 Stunden am Tag, in drei Schichten, sind die von der Bahn beauftragten Mitarbeiter im Einsatz. Die Männer halten sich in der Regel in einem Auto auf, das direkt an der Lärmschutzwand steht. Die Fahrdienstleiter in Hude und in Delmenhorst informieren den BÜP per Handy, sobald der Zug den dortigen Bahnhof verlassen hat. Dann drückt der Posten in Rethorn den roten Knopf einer Signalanlage, damit sich die Halbschranken einer provisorischen Anlage schließen. Parallel bimmelt die Altanlage, als würde ein Dampfzug nahen. Tatsächlich rauschen die neuen Doppelstock-Intercitys mit Tempo 160 vorbei.

Jeder Zug wird genau protokolliert. Mehrere Schulhefte liegen bereits in dem Auto an der Lärmschutzwand. Der Pkw dient auch als Aufenthaltsraum und Kantine. Damit die BÜP ihre Notdurft verrichten können, wurde ein Dixi-Klo aufgestellt.

Dass die vollautomatische Anlage nicht mehr automatisch funktioniert, bekommen die Autofahrer jeden Tag zu spüren. Sie müssen sich zum Teil auf längere Wartezeiten einstellen. „Morgens gegen 7.30 Uhr und im Feierabendverkehr gibt es meistens einen längeren Stau“, weiß einer der BÜPs. Viele Autofahrer würden inzwischen den Ziegelweg meiden. Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Züge gebe es allerdings nicht.


Der Übergang in Rethorn ist nicht der einzige im Oldenburger Land, der mit hohem Personalaufwand gesichert werden muss. Für 570 000 Euro wurde wochenlang der Bahnübergang der Sannumer Straße (K 242) in der Gemeinde Großenkneten erneuert. Als die Anlage in Betrieb gehen sollte, stellte die Bahn einen Fehler bei der 50-Hertz-Technik fest. Erst kurz vor Weihnachten ging die Anlage in Betrieb.

In Oldenburg sichern die Übergangsposten bereits seit Mitte März den Bahnübergang am Hemmelsberger Kanalweg – sehr zum Ärger der Anwohner, die wesentlich längere Schließzeiten in Kauf nehmen müssen.

Die Planungen für die Erneuerung der Anlage in Rethorn laufen derzeit, teilt Bahn-Sprecher Meyer-Lovis mit. „So eine Anlage gibt es aber nicht von der Stange.“ Da es sich um eine sicherheitsrelevante Anlage handele, müsse die Planung dem Eisenbahnbundesamt zur Prüfung vorgelegt werden. Die Kosten liegen den Angaben zufolge „im mittleren sechsstelligen Bereich“. Meyer-Lovis geht davon aus, dass die Anlage im Frühjahr erneuert wird. Und bis dahin sind die Bahnübergangsposten vor Ort.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent