Jever - Seine Weihnachtspakete hat ihm ein Kollege schon vor ein paar Tagen gebracht. „Ich habe alle Geschenke schon zu Hause, Weihnachten kann kommen“, sagt Marc Rother zufrieden. Der 32-jährige Familienvater arbeitet bei der Deutschen Post in Jever, liefert Tag für Tag Briefe und Pakete aus.
Kurz vor Weihnachten geht für den Post- und Paketboten und seine vielen Kollegen buchstäblich die Post ab. Das Aufkommen an Päckchen und Paketen wächst auf die doppelte Menge an. Vor allem der Internethandel, die vielen Online-Bestellungen, sorgen für rappelvolle gelbe Paketautos. Übrigens auch für volle Ladeflächen bei den Paketdiensten der Konkurrenz.
„An normalen Tagen bewegt die Deutsche Post bundesweit etwa 3,5 Millionen Pakete und 64 Millionen Briefe. Vor Weihnachten wächst das Aufkommen auf rund sieben Millionen Pakete und 120 Millionen Briefe pro Tag“, sagt Post-Sprecherin Maike Wintjen. Die Belastung der Zusteller sei enorm. Um das Aufkommen bewältigen zu können, habe die Post 10.000 zusätzliche Fahrzeuge angemietet und 10.000 zusätzliche Kräfte eingestellt.
Marc Rother ist gelernte „Fachkraft für Kurier und Express“ und seit mehreren Jahren fest angestellter Mitarbeiter der Deutschen Post, seit 2007 im Stützpunkt Jever.
Der Poststützpunkt ist eine unscheinbare Halle am Rand des Gewerbegebiets Jever und vermutlich zurzeit das größte Geschenkelager der Stadt. Denn dort kommt aus dem Paketzentrum Bremen früh morgens alles an, was die Jeveraner bei den großen und kleinen Internet-Versandhändlern bestellt haben oder was Oma und Opa aus dem Sauerland für die Enkel per Post nach Jever geschickt haben.
In Garage oder Mülltonne
Rothers Dienst beginnt um 7.30 Uhr. Es ist zwei Tage vor Weihnachten und an diesem Tag fährt er die Tour im Gewerbegebiet im Normannenviertel/Gleisdreieck sowie in und rund um die Georg-von- der-Vring-Straße. Dazu ein kleines Stück weit draußen im Nirgendwo von Jever in Kattens und Klein Sorgenfrei.
150 Pakete muss Marc Rother in diesem überschaubaren Gebiet zustellen. Dazu kommt die Briefpost. Das heißt: Rund 150 Stopps mit dem Postauto, 150-mal klingeln an Haustüren, „Guten Tag, die Post“, Päckchen und Pakete abgeben, Code einscannen, „frohe Weihnachten“, weiter geht’s.
Bevor gegen 9 Uhr die Post abgeht, hat er im Stützpunkt alles vorbereitet, hat die Pakete eingeladen und die Briefe und das „Langholz“ vorsortiert. „Langholz, so nennen wir die Groß- und Maxibriefe“, erklärt Rother. Wenn er die nur in den Briefkasten stecken muss, geht’s schnell. Ab und zu muss er sich die Übergabe aber quittieren lassen – bei Nachnahmen, Einschreiben oder Sendungen, die eine Identitätsprüfung erfordern. Zu Weihnachten werden auch viele neue Handys verschickt. Auch die gibt’s nur gegen Unterschrift.
Ist der Empfänger nicht zu Hause, nimmt er die Post wieder mit und steckt dem Kunden eine Benachrichtigung in den Briefkasten. Dann können die Kunden ihre Päckchen und Pakete am folgenden Tag in der Post-Filiale im Edeka-Markt in Jever abholen.
Zwölf Kollegen sind an diesem Tag in Jevers Zustellbezirken unterwegs. Zwei mit dem gelben Post-Fahrrad. Die stecken nur Briefe in die Briefkästen. Ein Kollege hat den Frachtbezirk in der Innenstadt und liefert mit seinem Wagen nur Päckchen und Pakete aus. Marc Rother hat heute einen der insgesamt sieben Verbundbezirke in Jever, in dem Pakete und Briefe gemeinsam zugestellt werden. Außerdem sind zwischen Schloss und Brautürmen zwei Entlastungsfahrer unterwegs.
Schnell geht’s voran, wenn die Kunden einen so genannten Garagenvertrag haben. Ist niemand zu Hause, legt Marc Rother die Päckchen in der Garage ab – wobei die Garage auch schon mal eine Mülltonne, ein von der Straße nicht einsehbarer Platz im Garten oder ein nicht verschlossener Kofferraum sein kann. Auch das Riesenpaket, in dem augenscheinlich ein Kinderwagen steckt, muss Marc Rother nicht wieder mitnehmen. „Das Paket bitte in der Garage abstellen“ hat die Empfängerin auf einen Zettel geschrieben, der an der Haustür klebt.
Dann kommt ihm eine Frau aus einer Seitenstraße entgegen, die schnell in die Stadt muss, den Postboten und ihr sehnlichst erwartetes Weihnachtspaket auf keinen Fall verpassen will. Sie nimmt Marc Rother ihre Post ab. Den Weg in eine Seitenstraße kann er sich somit sparen.
Schokolade für die Post
Zwei Kollegen sind an diesem Tag schneller fertig mit ihrer Tour und rufen Marc Rother kurz an, ob sie ihm einen Straßenzug abnehmen können. „Das ist Kollegialität", freut sich Rother.
Für viele ist Marc Rother in diesen Tagen der Weihnachtsmann in Gelb und Dunkelbau. Kurz vor Weihnachten sind auch viele Empfänger in Geberlaune. Hier und da gibt’s ein Trinkgeld oder eine Tafel Schokolade für den Mann von der Post.
Am späten Nachmittag ist sein Postauto leer, Marc Rother hat alles ausgeliefert. „Ich hab das gern sauber am Ende des Tages“, sagt der Postler.
Heiligabend wird für Marc Rother noch mal richtig stressig. 16 oder 16.30 Uhr wird’s wohl werden, bis auch er heute Feierabend machen kann. „Alle sollen noch ihre Pakete bekommen“, so Rother. Dann hat auch er ein paar Tage frei und kann mit der Familie Weihnachten feiern.
