Wildeshausen - Den Kastanien in Wildeshausen und Umgebung geht es nach wie vor schlecht. Besonders am Seniorenweg entlang der Hunte bietet sich Fußgängern und Radlern ein Bild des Jammers.
Die Bäume an dieser einstmals wunderschönen Allee haben fast alle braune Blätter, die meist im Sommer schon abfallen. Notblüten, die dem Frost anheimfallen, sind oftmals die Folge.
Schuld ist die Miniermotte, die quasi das Grün aus den Blättern frisst. Befallen sind neben den Baumriesen auch die vor einigen Jahren nachgepflanzten jungen Kastanien.
„Die Bäume grünen zum Glück in der Regel wieder durch und sterben nicht ab“, gibt Bauhofleiter Jörg Kramer etwas Entwarnung. So habe man im vergangenen Jahr bei der routinemäßigen Totholzentfernung auch keinen Baum fällen müssen.
Ursache: Globalisierung
Die Globalisierung macht Annegret Schütt, Wildeshauser Garten- und Landschaftsplanerin, als eine der Ursachen für den zunehmenden Schädlingsbefall aus. „Der Mensch ist der größte Quarantänebrecher“, sagt sie. Während fremdländische Schädlinge früher bei oft wochenlangen Überfahrten von Waren abgestorben seien, überständen sie kürzeste Transporte in der modernen vernetzten Welt oft unbeschadet. Hinzu kommt der Klimawandel.
„In den Appalachen gibt es schon jetzt keine Kastanienwälder mehr“, konstatiert die Expertin. Grund sei, dass die Miniermotte den Baum – neben anderen Faktoren wie dem Rostpilz oder gefräßigen Bakterien – auf Dauer doch sehr schwäche.
„Das ist, als wenn man ihnen den Magen klaut. In den Blättern werden schließlich wichtige Assimilate für die Wurzeln gebildet. Die pumpen zwar zunächst noch kräftig weiter, verhungern aber auf Dauer“, erläutert Schütt.
Andere Kastanie pflanzen
Sinnvoll sei es deshalb, anstatt der für die Schädlinge anfälligen weißen Rosskastanie die rotblühende Kastanie nach zu pflanzen. Diese Bäume, die zum Beispiel an der Ladestraße stehen, werden zwar nicht so groß wie die klassische Kastanie, sind aber für die Larven der Miniermotte nicht anfällig.
