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Wirtschaft Wenn man vermieten will, aber nicht darf

Uta-Maria Kramer

Wildeshausen - 1989 war die Welt für die Wildeshauser Familie Cordugas noch in Ordnung. Der Hagebaumarkt mietete ihr 1500 Quadratmeter großes Geschäftsgebäude am Westring, das 1998 sogar noch um 2000 qm erweitert wurde. Hinzu kommen 400 qm überdachte Außenfläche.

Doch Ende Oktober 2008 zog der Hagebaumarkt in seinen mehr als 5000 qm großen Neubau an der Visbeker Straße und damit begannen die Probleme. Laut B-Plan 50 ist in Cordugas Gebäude nämlich nur eine Nutzung als Bau- und Heimwerkermarkt, Gartencenter oder Möbel- und Einrichtungshaus möglich. Ziel: der Schutz der Geschäfte in der Innenstadt.

Von November 2009 bis Dezember 2011 gelang es zwar, den Baudi-Markt anzusiedeln, „aber drei Baumärkte sind für Wildeshausen einfach zu viel“, so die Wildeshauser Familie. Eine Nutzung als Gartencenter mutet angesichts der genau gegenüber liegenden Gärtnerei Ostmann skurril an, und für einen Möbelmarkt wäre eine Fläche von mindestens 10 000 qm nötig.

Doch es gab andere Interessenten. Als sofort nach dem Auszug von Hagebau der „jawoll“-Sonderpostenmarkt sein Interesse bekundete, stellte Familie Cordugas einen Antrag auf Nutzungsänderung – erfolglos. Als Gründe führten Politik und Verwaltung innenstadtrelevante Sortimente an. Als „jawoll“ an seinem Ansiedlungswunsch festhielt, stellte Familie Cordugas im Sommer 2013 erneut einen Antrag auf Nutzungsänderung. Eine Antwort gibt es bis heute nicht.

„Wollen Sie nicht vermieten?“ werden die Cordugas immer wieder gefragt. „Doch, aber wir dürfen nicht“, entgegnen sie dann lakonisch.


Leere Ruine

„Jetzt haben wir hier eine seit Jahren leere Ruine, einen Einnahmenausfall von rund 800 000 Euro und sind in keinerlei der aktuellen Gespräche und Arbeitskreise eingebunden worden“, beschwerten sich die Brüder Cordugas am Freitag beim Ortstermin mit Bürgermeisterkandidat Jens Kuraschinski.

Der kennt als langjähriger Verwaltungsmitarbeiter die Probleme nur allzu gut – und kann dennoch im Gespräch nur immer wieder den Kopf schütteln. „Wir müssen das Einzelhandelsgutachten fortschreiben, um uns dann in gewisse Richtungen zu entwickeln“, meint er. Auch eine Verlagerung des Aldi-/Sonderposten- und Deichmannmarkts von der Ahlhorner Straße in die Cordugas-Räumlichkeiten sei eventuell denkbar oder eine Wirtschaftsförderung in der Form, dass man die Miete auf das nötige Niveau aufstocke. „Wir sind schon auf zwei Euro pro Quadratmeter runter, aber eventuell interessierte Billigmärkte wollen nur 50 Cent zahlen“, sagt Peter Cordugas.

Nutzung durch Feuerwehr

Nachdenklich wird Kuraschinski, als er hört, wer sich alles vergeblich für die Immobilie interessiert hat. Selbst die Diakonischen Werke Himmelsthür waren dabei, die sich hier eine Werkstatt vorstellen konnten. Sogar als Langzeitvermietung für die Feuerwehr bot Familie Cordugas das große Gebäude mit reichlich Parkplätzen an – auch das ohne Reaktion.

Um ähnliche Kommunikationspannen in Zukunft zu verhindern, möchte Kuraschinski im Falle eines Wahlsieges die Stelle von Stadtmarketingexpertin Daniela Baron aufstocken bzw. einen festen Wirtschaftsansprechpartner installieren.

Die aktuelle Entwicklung dürfte übrigens auch den Garreler Bäcker Behrens-Meyer interessieren. Der war im Zuge einer bundesweiten Umorientierung vor einiger Zeit im Wildeshausen Lidl-Markt durch einen Lidl-Backshop ersetzt worden. Der Container, den Behrens-Meyer daraufhin auf dem Ostmann-Parkplatz aufstellte, läuft so erfolgreich, dass Behrens-Meyer und Ostmann nun Appetit auf mehr bekommen haben. Sie wollen an den Gartencenter einen Backshop mit Cafébereich anbauen. Doch auch diesem Vorhaben steht der B-Plan 50 entgegen.

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