Oldenburg - Der Oldenburger Akustiker Christian Nocke hat in der Stadt einen Namen. Immer wieder hat er Beiträge zum Bahnlärm geleistet. Mit seiner Frau Catja Hilge hat er zudem Wege aufgezeigt, wie man Schulräume so gestalten kann, dass Wissensvermittlung nicht im Lärm untergehen muss.
Doch das ist längst nicht alles, was der Mann kann. Eines seiner aktuellen Arbeitsfelder: das Großraumbüro. Dort findet man eher selten jenen Zustand, den Nocke als gute Akustik bezeichnet: „Wenn man jedes Wort mühelos verstehen kann.“ In einem Vortrag im Hörzentrum an der Marie-Curie-Straße vor Architekten machte Nocke jetzt launig deutlich, dass das Modell Großraumbüro sich flächendeckend wegen der angeblichen Vorteile durchsetze, einen Kernkonflikt aber selten löse: „Man will mehr Kommunikation, darunter aber leidet die Konzentration.“
Unter dem Motto „Taube Architekten, blinde Akustiker“ zeichnete er auf, dass beim Bau von und Umbau zu Großraumbüros die Akustik oft nur eine Nebenrolle spiele. Wenn dann Probleme auftreten, kommen akustisch wirksame Materialien an Decke, Wand und Boden ins Spiel – und Möbel, die den Lärmpegel herunterfahren und Nachhalleffekte dämpfen.
Dass das nicht so einfach ist, wie es klingt, zeigt sich laut Nocke stets im Detail: So sind bestimmte Teppiche durchaus in der Lage, den Pegel herunterzuschrauben – aber leider meistens nicht im Frequenzbereich der menschlichen Stimme. Und die stört im Großraumbüro eben am meisten.
Inzwischen sei es aber durch das Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft gelungen, Teppiche zu entwickeln, die selbst den Schall von Vieltelefonierern dämpfen. Hinzu kommen frei arrangierbare Elemente, die an Decken und Wänden angebracht werden, und Möbel, die mit Lochrastern und dahinter liegender Dämmung ihren Beitrag zu einer guten Raumakustik leisten.
Machbar ist also einiges – aber zunächst muss der Bedarf erkannt werden. Dass der da ist, hat nach Nockes Angaben allein die Arbeit an einer VDI-Norm bewiesen. Die theoretisch berechneten Werte für eine sehr gute Akustik erreichte keines der untersuchten Großraumbüros: „Die meisten hatten schlechte oder unzureichende Bedingungen“, sagte Nocke. Bei Neuanmietungen stellten die Betreiber heute aber oft schon klare akustische Bedingungen an die Immobilieneigner.
Offenbar gehen aber selbst in Großraumbüros die Meinungen auseinander. In einem Münchner Fall sagten 50 Prozent der dort arbeitenden Menschen, die Zustände seien unzumutbar, die andere Hälfte war zufrieden. Auf Nachfragen offenbarte sich die Grenze: Die Unzufriedenen hatten zuvor Einzelbüros gehabt, die zufriedenen waren zuvor befristet beschäftigt gewesen und hatten mit dem neuen Großraumbüro feste Stellen bekommen.
