Oldenburg - Sich im Sessel an ein nordseeblaues Strandidyll fortträumen oder landhäusliche Unbeschwertheit bei der Romanlektüre genießen? Wie diese und andere Wohnideen Wirklichkeit werden können, zeigten am Sonnabend die Meisterstücke der elf frischgebackenen Raumausstattermeister der Fachschule für das Handwerk.
In viereinhalb Monaten und 900 Unterrichtsstunden hatten sie ihre bereits vorhandenen handwerklichen Fertigkeiten und theoretischen Kenntnisse erweitern und neue Inspirationen sammeln können. In den Räumlichkeiten des Schulgebäudes in der Willersstraße, wo sonst Nähmaschinen und Bügeltische stehen, präsentierten sie die Früchte dieser Arbeit.
Sechs Tage lang hatten die fünf Frauen und sechs Männer Zeit, ihre bei der Schule eingereichten Entwürfe für eine individuelle Raumausstattung praktisch umzusetzen. Tapezieren, Gardinen nähen und anbringen sowie die Fertigung eines Polsterstücks und einer Wandbespannung gehörten dabei zu den geprüften Disziplinen. „Kojen“ nennen sich die mehrere Quadratmeter großen Wohnnischen, die exemplarisch für die Gestaltung zur Verfügung standen.
Zwischen 2500 und 5000 Euro dürften die Meisterschüler dabei in ihre Raumausstattung investiert haben, schätzt Schulleiterin Gisela Schang. „Bei der Bewertung der fertigen Kojen kommt es auf das Handwerkliche, die Zusammenstellung, die Harmonie und die Qualität der Verarbeitung an. Aber auch danach, wie innovativ das Ganze ist, wird bewertet“, sagt Schang, die selbst vor über 40 Jahren die Meisterprüfung an „ihrer“ Schule ablegte. Die Tatsache, dass die Raumausstatter aus dem ganzen Bundesgebiet nach Oldenburg kommen und auch nach Abschluss der Meisterprüfung immer wieder als Ehemalige die Schule besuchen, wertet Schang als Beleg für die Qualität der Lehre. „Wir genießen den Ruf als eine der besten Meisterschulen, weil wir als eingetragener Verein unsere Dozenten frei wählen können und nicht an staatliche Vorgaben gebunden sind. Außerdem fühlen sich die Schüler bei uns einfach wie zu Hause.“
Aus dem oberbayrischen Forchheim ist etwa der 27-jährige Raumausstatter Johannes Fuchs zur Meisterprüfung an die Oldenburger Fachschule gekommen, „weil meine Chefin schon hier war“, so Fuchs. Er ist hochzufrieden mit dem Meisterlehrgang, der auch viele neue Impulse mit sich gebracht habe. „Bei allem Abschiedsschmerz freue ich mich aber wieder, nach Hause zu kommen“, sagt Fuchs, der auch den Inhalt seiner Koje mitnehmen und im Geschäft der Chefin ausstellen wird. Er hat sich vom preisgekrönten Psychothriller „Black Swan“ inspirieren lassen und ein düsteres Schwanensee-Szenario samt Silhouette einer Ballerina aus Strasssteinen entworfen.
Weitere erfolgreiche Schüler der Handwerksfachschule zeigten am Sonnabend Projektarbeiten aus Filz. In Zusammenarbeit mit der Firma daff gmbh & co. kg entstanden alltagstaugliche Objekte, die von der Firma nicht nur mit Preisgeldern im Gesamtwert von 1500 Euro ausgezeichnet wurden, sondern in ihr Sortiment mit aufgenommen werden. So wird man in ein paar Monaten die „Tonne Olga“, die „Schale Jo“ oder die „Tasche Vincent“ als „Oldenburger“ Designprodukte in Händen halten können.
