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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Marketing Oder Hilfe?: Wenn Unternehmen sich für Flüchtlinge engagieren

14.09.2015

Köln Was viele Bundesbürger seit Tagen immer öfters praktizieren, macht sich zunehmend auch in Unternehmen breit: Spontane, unbürokratische Soforthilfe für Tausende von Flüchtlingen. Ob Telekom, Daimler oder BMW, Bayer, Trumpf oder Rossmann, RAG, Alltours oder Porsche - die Liste der Helfer und Unterstützer wird täglich länger. Doch was sind die Beweggründe für den Einsatz in Not- und Krisenlagen wie jetzt beim Flüchtlingsthema?

„Im Hintergrund der Unternehmen stehen Menschen, die fernab geschäftlicher Ziele und Motive einfach nur Hilfe leisten wollen“, sagt Jochen Fischer, Geschäftsführer der Werbeagentur Grey aus Düsseldorf. Aber auch ein Unternehmen möchte als Teil der Gesellschaft durch die Teilnahme an humanitären Aktionen etwas „Gutes“ tun. Und das würden die Verbraucher auch von ihnen erwarten.

Stephan Grünewald, Gründer des Kölner Rheingold Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen, sieht weitere Motive: „Die Unternehmen sind Teil eines Kollektivs, in welchem sich der einzelne ohnmächtig fühlt“, sagt der Psychologe. „In gesellschaftlichen Notlagen möchten sie ihren Mitarbeitern zeigen, dass etwas geschieht - nach dem Motto: Wir kümmern uns. Das sorgt für ein gutes Gewissen“.

Und so werden Patenschaften übernommen, Transporter und WLAN-Router in Flüchtlingsheimen bereitgestellt, Geld- und Sachspenden an Initiativen weiter geleitet oder hohe Summen in Fonds zur Integration ankommender Flüchtlinge gesteckt. In Niedersachsen hat die Drogeriekette Rossmann eine Patenschaft für den Einsatz einer Familienhebamme für eine Flüchtlingsfamilie übernommen und steuert Geld bei.

Der Daimler-Konzern spendet unter anderem für einen Willkommens-Fonds in Stuttgart und eine Bürgerstiftung in Sindelfingen, die Projekte zur Integration ankommender Flüchtlinge betreut. Und der Reiseveranstalter alltours sowie die Fluggesellschaften Air Berlin und Germanwings transportierten Hilfspakete kostenfrei auf die griechische Insel Kos.

Und das Wichtigste überhaupt: Ein Dach über dem Kopf. Hier sind die Herausforderungen für die Städte und Gemeinden besonders hoch. Die Wohnungsbaugesellschaft LEG beispielsweise hat nach eigenen Angaben 450 Wohneinheiten an Flüchtlinge beziehungsweise Städte vermietet. „Wo wir helfen können, tun wir das, es ist noch Potenzial nach oben“, beteuert LEG-Sprecher Mischa Lenz.

Telekom-Personalchef Christian Illek kündigte an, Gemeinden unter anderem Gebäude, die von der Telekom nicht mehr genutzt würden, zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Solche Pläne hat auch der Bergbaukonzern RAG, der im Saarland Flächen von 5000 Quadratmetern als Wohnraum bereitstellen möchte. 17 Standorte hat das Unternehmen in Nordrhein-Westfalen benannt, darunter ehemalige Betriebs- und Schulungsgebäude, Parkplätze und ein Zechengelände in Bergkamen. Viele Projekte werden derzeit noch auf Eignung geprüft.

In ihrem Engagement führen die Unternehmen in Not- und Krisenlagen immer wieder ein Argument ins Feld. So auch Nina Henckel vom Immobilienkonzern Vonovia, wenn sie resümiert: „Wir wollen unsere gesellschaftliche Verantwortung erfüllen“. Und der Betriebsratschef von Porsche, Uwe Hück, spricht vielen aus der Seele, wenn er sagt: „Flüchtlinge sind kein Problem, sondern ein Zugewinn für uns alle“.

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Der Bayer-Konzern besinnt sich in diesen Tagen auf den Einsatz des Unternehmens während des Elbhochwassers Ostdeutschland und stellt kurzfristig Mitarbeiter zur Unterstützung von Flüchtlingsinitiativen frei. Ähnlich auch die Santander-Bank: Ab sofort können sich Bank-Mitarbeiter für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe bis zu fünf Arbeitstage im Jahr gutschreiben lassen.

Dass sich das Engagement der Unternehmen in Katastrophen- und Notlagen am Ende auch beim Image oder in der Produktförderung auszahlt, wird nicht besonders betont - und passt auch nicht ins Stimmungsbild. „Nur kein Marketing“, sagt ein Mitarbeiter eines Großkonzerns. Denn es funktioniert auch so. „Der Zusammenhang ist banal“, sagt Grey-Werbefachmann Fischer: „Die Menschen bevorzugen primär die Marken, die mit ihrem eigenen Wertesystem übereinstimmen“.

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