Visbek/Oldenburger Land - Mehr Platz im Stall, dazu Spielmaterial für die Tiere, die zudem frei von Angst, Futtermangel und Krankheit sein sollen. Das sind einige Kriterien, mit denen der Begriff Tierwohl beschrieben wird. Immer mehr Tierhalter orientieren sich an diesen Vorgaben. Das hat allerdings auch höhere Produktionskosten zur Folge. Und diese bekommen die Landwirte nicht in gleichem Maße ersetzt, beklagen sie. Immerhin stehen hier Mehrausgaben von bis zu sechs Milliarden Euro im Raum. Wer also soll und kann die Kosten tragen? Dieser Frage stellten sich auf Einladung der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft Vertreter von Politik, Handel und Landwirtschaft auf einer Podiumsdiskussion am Dienstag im Gasthaus Hogeback in Visbek (Kreis Vechta).
„Wir haben geliefert. Wir haben den Tierschutzplan Niedersachsen erfüllt und werden kontinuierlich und engagiert an weiteren Tierwohl-Fortschritten arbeiten“, sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident der Deutschen Geflügelwirtschaft. Jetzt seien Politik, Handel und Verbraucher gefordert, „uns aktiv dabei zu helfen und für tierwohlkostendeckende Erzeugerpreise zu sorgen – und zwar kurzfristig und belastbar.“
Vorgestellt wurden einige Varianten, wie solch eine Finanzierung aussehen könnte. Werbung für ein staatliches Tierwohl-Label machte Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Mit solch einem Siegel, das einen gewissen Tierwohl-Standard für das Produkt garantiere, „können wir den Konsumenten abholen“, ist Aeikens überzeugt. Den Preisaufschlag für das Fleischprodukt mit Siegel würde dann der Tierhalter bekommen.
Der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann hält dagegen nicht viel von einem staatlichen Label. Er bezweifle, dass ein Siegel genug Geld einbringe. Lindemann ist heute Vorsitzender des Kompetenzkreises Tierwohl des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Er selbst plädierte auf der Podiumsdiskussion für eine Abgabe, also eine Steuer, auf jedes in Deutschland gehandelte Fleischprodukt. Ein paar Cent auf jedes Produkt halte er für praktikabel. Solch eine Abgabe wiederum wurde von Aeikens grundsätzlich abgelehnt.
Einen Finanzierungs-Mix aus Tierwohl-Fonds (hier beteiligen sich fünf der größten Lebensmittelhändler in Deutschland), höheren Beiträgen die Konsumenten sowie eine staatliche Kofinanzierung schlug Dr. Ludger Breloh von der Rewe-Group vor. Schließlich könne der Handel nicht alle Kosten übernehmen.
Eine verlässliche Lösung der Finanzierungsfrage soll bis spätestens 2020 gefunden sein.
