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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Werbe-Dino stirbt nicht aus

19.12.2015

München /Berlin Sie ist mehr als 2,50 Meter groß, wird jedes Jahr dicker und zieht doch noch immer die Blicke der Passanten auf sich: Die Litfaßsäule kommt auch gut 200 Jahre nach dem Geburtstag ihres Erfinders Ernst Litfaß (1816–1874) nicht aus der Mode.

Rund 50 000 Säulen stehen auf Deutschlands Straßen und wirken im Smartphone-Zeitalter wie Dinosaurier der Werbung. „Die Litfaßsäule hat noch immer ihren festen Platz“, sagt Marc Sausen vom Werbevermarkter Ströer, der einen Großteil der Säulen in Deutschland vermarktet.

Der Auslöser für die Erfindung der Litfaßsäule war der Wunsch nach Ordnung. Der Berliner Buchdrucker Ernst Litfaß, geboren am 11. Februar 1816, ärgerte sich so über den Wildwuchs an Zetteln und Postern in Berlin, dass er am 1. Juli 1855 eine „Annonciersäule“ aufstellte. Wenig später klebten Tanzlokale, Weinstuben und Theater ihre Aushänge ordentlich an die Säulen statt an Bäume und Hauswände – die Litfaßsäule war geboren und gilt bis heute als Start der Plakatwerbung.

Den Namen ihres Erfinders trägt sie noch immer in alter Schreibweise: Denn da es sich um einen Eigennamen handelt, schreibt sich die Litfaßsäule laut Duden auch nach der Rechtschreibreform noch immer mit „ß“.

Berlin ist bis heute auch Hauptstadt der Litfaßsäulen: Allein dort gibt es nach Angaben des Werbevermarkters „Draussenwerber“ mehr als 3000 Litfaßsäulen.

An den Säulen werden mehr als 150 Schichten übereinandergeklebt, bevor ihr alle paar Jahre die Plakatkleber mit der Motorsäge zu Leibe rücken, um die Plakatschichten abzutragen. In Nürnberg wurde im November die erste Litfaßsäulen-Toilette Bayerns in Betrieb genommen.

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