Hollen/Landkreis - „Viele Kinder kennen Litschi, Mango und Kiwi“, sagt Marina Becker-Kückens, „aber sie wissen nicht, dass Apfel nicht gleich Apfel ist.“ Nicht verwunderlich erscheint daher, dass nur noch ein Viertel des Obstes, das die Deutschen verzehren, hierzulande auch angebaut wird.
Dieser Unkenntnis und Ignoranz gegenüber dem, was vor der eigenen Haustür wächst und reift, will das Regionale Umweltzentrum (RUZ) in Hollen, dessen Geschäftsführerin Marina Becker-Kückens ist, jetzt bildungsmäßig entgegentreten: Seit gut einem halben Jahr wird im RUZ das Unterrichtsprojekt „Wertschätze regionale Lebensmittel“ entwickelt, über das sich am Dienstag Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, und die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) informierten.
Broschüre schon fertig
Mitte Dezember haben sich Projektleiterin Katja Wessolowski und RUZ-Ökotrophologin Claudia Kay an die Arbeit gemacht: Sie entwerfen innovative Unterrichtskonzepte und -materialien und bereiten ein Handbuch mit heimischen Lebensmitteln vor. Fertiggestellt ist bereits die Broschüre „Hier kauf’ ich ein“, in der Erzeuger aus der Region aufgelistet sind und wertvolle Tipps und Informationen zur Ernährung vermittelt werden. Damit stieß das RUZ unlängst bei der „Klimameile“ in Wildeshausen bereits auf großes Interesse.
Beim Projekt „Wertschätze regionale Lebensmittel“ geht es um zwei Schwerpunkte: Der eine ist die Streuobstwiese, die beim RUZ gleich nebenan liegt und anschauliche Möglichkeiten für handlungsorientierte Unterrichtsmethoden bietet.
Herkunft erkennen
Zweitens geht es um das Thema Lebensmittelkennzeichnung: Was der Strichcode auf dem Ei über dessen Herkunft verrät oder welche Informationen die Siegel auf der Milchtüte bieten, sollen Schülerinnen und Schüler im RUZ lernen – immer mit dem Ziel, zu vermitteln, was in der Region angebaut wird und wo die Erzeuger zu finden sind. So solle das Projekt auch dazu beitragen, die Landwirtschaft in der Region zu stärken, betonten Katja Wessolowski und Claudia Kay.
Geld aus Leader-Topf
Gefördert wird das Projekt – mit dem übrigens auch Erwachsene erreicht werden sollen, etwa über Kochkurse – mit EU-Mitteln aus dem Leader-Programm. Knapp 13 900 Euro flossen daraus. Der Landkreis Oldenburg schoss 2000 Euro hinzu, einige Sponsoren konnte das RUZ mobilisieren – um die Kosten von fast 35 000 Euro zu decken, muss sich das Projekt aber auch teilweise selbst finanzieren, zum Beispiel durch den Verkauf des Handbuchs.
Bisher ist ohnehin nur die Erarbeitung des Konzeptes vorgesehen. Marina Becker-Kückens hofft, im kommenden Jahr mit der pädagogischen Umsetzung starten zu können. Falls es dafür keine weitere Förderung gibt, könne das RUZ den Unterricht auch mit dem vorhandenen Personal gewährleisten, glaubt die Geschäftsführerin.
Wertgeschätzt wird die Arbeit der Mitarbeiterinnen auf jeden Fall schon jetzt: „Ein schönes und vielfältiges Projekt“, lobte Maria Flachsbarth.
